Altersbeschränkung bei WhatsApp – Was nun?

Wegen eines neuen Datenschutzgesetzes im europäischen Raum entsteht auch in de Schweiz Verwirrung. WhatsApp soll neu ab 16 sein. Auch bei vielen anderen Apps erscheinen Mitteilungen bezüglich Updates und neuen Nutzungsbedingungen.

In Alinas Umfeld ist der Teufel los. Die bald 13-jährige Alina will deshalb unbedingt mit ihrer Mutter reden. Sie war froh, als sie vor einem Jahr von den Eltern ein Smartphone erhalten hat. Seitdem nutzt sie es, um mit ihren Freunden in Kontakt zu sein, Fotos auszutauschen und auch das Jugendorchester und der Volleyballclub organisieren sich über WhatsApp. Sie hat mit ihrer Mutter gewisse Regeln vereinbart, die sie einhalten muss. Manchmal sind sie sich in der Auslegung der Regeln zwar nicht einig, Eltern und Kinder empfinden das Gerät heute aber als Erleichterung und Unterstützung im Alltag.

Der Hinweis in der App sagt: wer nicht 16 ist, darf WhatsApp nicht mehr nutzen.

Alina erzählt ihrer Mutter, dass sie heute die Aufforderung bekommen hat, ihr WhatsApp zu aktualisierten und anschliessend von der App aufgefordert wurde zu bestätigen, dass sie 16-jährig sei. Der Hinweis in der App ist klar: wenn sie nicht 16 ist, darf sie WhatsApp nicht mehr nutzen. Alina fühlt sich in der Klemme. Eigentlich möchte sie nicht lügen. Andererseits haben ihr die Eltern doch erlaubt, diesen Dienst zu nutzen.

Vor einer Woche hatte es mit der Aktualisierung von Instagram angefangen. Als sie ihr Alter angegeben hatte, kam eine Meldung sie sei neu leider zu Jung. Seitdem ist ihr Profil gesperrt. Das hat sie zwar etwas traurig gemacht, aber sie konnte es akzeptieren. Bei WhatsApp ist das etwas anders. Wie soll sie all die Sachen, die sie inzwischen über die App organisiert, regeln? Viele ihrer Freundinnen und Freunde haben einfach angegeben 16 zu sein und so das Problem aus der Welt geschafft. Bei „Insta“ haben inzwischen viele ein neues Profil.

Der Hintergrund

Im europäischen Raum tritt ein neues Datenschutzgesetz mit umfassenden Änderungen in Kraft (die so genannte Datenschutzgrundverordnung oder DSGVO). Für viele der grossen Konzerne wird die Schweiz rein geografisch zu Europa gezählt und ist daher auch von den Änderungen betroffen. Die Unternehmen passen ihre Nutzungsbedingungen an, damit sie mit der neuen Rechtslage konform sind. Die Nutzungsbedingungen schützen die Konzerne vor drohenden Klagen und Bussen. Dabei geht es nicht um den Schutz der Kinder.

Wie entstehen Altersempfehlungen?

Altersempfehlungen gibt es bei Filmen und Computerspielen schon lange. Bei diesen werden Kriterien angewendet, die den Entwicklungsstand der Kinder berücksichtigen. Es wird also versucht, für Filme und Spiele anhand von Kriterien (z. B. von der FSK – Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) einzuschätzen, für welches Alter diese geeignet sein können. Dieser Bezugsrahmen, also die vordefinierten Kriterien, fehlt bei den Nutzungsbedingungen komplett. Nutzungsbedingungen sind daher auch keine Altersempfehlungen!

Die Entscheidung liegt bei den Eltern

Daher sollten sie sich als Eltern von der Abfrage des Mindestalters bei WhatsApp nicht verunsichern lassen. Sie entscheiden, ob ihr Kind alt genug ist, um WhatsApp oder andere Apps zu nutzen. Diskutieren sie mit ihren Kindern aber, warum man auch zu jung sein kann für gewisse Inhalte. Diesen Bezugsrahmen sollten sie aber selbst aufstellen. Nach ihren eigenen Werten und den Werten, die im Umfeld des Kindes zählen.

Das DSGVO sieht übrigens vor, dass für eine Datenerhebung bei unter 16-Jährigen, die Zustimmung der Eltern erforderlich ist. Wie dies im Detail geschehen soll, ist nicht in jedem Fall geklärt. Anscheinend ist das übrigens auch der Rechtsabteilung von WhatsApp bewusst, denn sie schreibt selbst: „Zusätzlich zu der Anforderung, dass du nach geltendem Recht das zur Nutzung unserer Dienste erforderliche Mindestalter haben musst, gilt Folgendes: Wenn du nicht alt genug bist, um in deinem Land berechtigt zu sein, unseren Bedingungen zuzustimmen, muss dein Erziehungsberechtigter in deinem Namen unseren Bedingungen zustimmen.“    whatsapp.com > Nutzungsbestimmungen

Sie müssen also gar nicht lügen, wenn sie ihrem unter 16-jährigem Kind die Nutzung von WhatsApp erlauben wollen. Beachten sie trotzdem, das Alter so nahe wie möglich beim tatsächlichen Alter des Kindes anzugeben. Einige Dienste stimmen die Werbeinhalte auf das Alter der Nutzer ab.

Alina ist sehr erleichtert, als ihre Mutter zustimmt und für sie den Schalter in der App auf „ich bin 16“ stellt. Sie ist auch etwas stolz, denn von ihrer Mutter hat sie ein grosses Lob dafür bekommen, weil sie so mutig war und mit dieser Frage zu ihr gekommen ist.

Tipps für Eltern:

  • Sprechen sie ihr Kind auf das neue Gesetz an. Wie ist es mit der Aufforderung umgegangen?
  • Sprechen sie mit dem Kind darüber, warum sie finden es dürfe Apps benutzen. Und über was sie sich Sorgen machen.
  • Recherchieren sie mit dem Kind; was ist das DSGVO? Wozu dient es?
Laurent Sedano

Laurent Sedano

Laurent Sedano ist bei der Pro Juventute für den Themenbereich Medienkompetenz zuständig. In diesem Rahmen ist er für Workshops mit Schülerinnen und Schüler, Elternveranstaltungen und Weiterbildungen für Lehr- und andere Fachpersonen zuständig.

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