Weshalb spielen so wichtig ist

Weshalb das Spielen so wichtig ist

Interview mit Petra Stocker von Pro Juventute zum Thema «Wieso ist Spielen für Kinder so wichtig».

Welche Bedeutung hat das Spielen im Freien für die kindliche Entwicklung?

Petra Stocker «Eine unglaublich wichtige! Ins Kinderspiel zu investieren ist entscheidend, um die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern zu verbessern. Kinder entwickeln ihr Wesen durch das Spiel. Sie brauchen dafür sinnesanregende und gestaltbare Räume. Aussenräume bieten genau das, zum Beispiel wenn man über einen Baumstamm balanciert, auf unterschiedlichen Böden geht, sich in Nischen verkriechen kann. Das regt die Fantasie an. Draussen finden auch Begegnungen mit anderen Kindern statt. Durch das Spiel im Freien erfahren Kinder also die Welt, formen sie und lassen sich auf Herausforderungen ein.»

Wieso engagiert sich Pro Juventute für die Spielräume von Kindern?

Petra Stocker «Pro Juventute hat sich mit den Robinsonspielplätzen schon seit den 1950er-Jahren im Thema Spielraum und Spielkultur engagiert und später sogar eine Spielraumberatungs-Ausbildung angeboten. In den letzten 20 Jahren hat es eine besorgniserregende Entwicklung gegeben. Zum einen gibt es immer weniger zweckfreie Räume, zum anderen ist das Sicherheitsbedürfnis der Eltern gestiegen und die Freizeit der Kinder wird stärker durch angeleitete Aktivitäten durchstrukturiert. Im Extremfall kann diese Entwicklung dazu führen, dass Kinder gar nicht mehr in der Lage sind, selbstständig zu spielen. Dem wollen wir entgegenwirken. Wir wollen positive Rahmenbedingungen und das Recht und die Bedeutung für das Spiel im gesellschaftlichen Kontext sichern und aufwerten. Kinder müssen in ihrem näheren Umfeld spielen und sich selbstständig bewegen können.»

Was kann man unternehmen, damit sich dieser Trend kehren lässt?

Petra Stocker «Wir fordern Qualitätsstandards für kindergerechte Freiräume, eine institutionelle Verankerung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in den Prozessen der Raumplanung sowie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung des öffentlichen Raums. Das Ziel muss sein, einen ganzheitlicheren Raum zu erhalten, in dem Kinder ganz selbstverständlich Platz haben. Wir möchten Impulse geben und alle Generationen dazu inspirieren, mehr zu spielen. Damit Kinder wieder mehr unverplante Zeit zur Verfügung haben und das Spiel wieder die Bedeutung als Fundament der kindlichen Entwicklung und als Kulturgut erhält, die es verdient.»

Petra Stocker

Petra Stocker

Petra Stocker koordiniert im Bereich «Freiraum & Partizipation» die Pro Juventute Spiel- und Sozialraumprojekte. Sie ist seit acht Jahren in der offenen Arbeit mit Kindern tätig – ihre Schwerpunkte liegen auf den Themenbereichen Räume bespielen und Spielräume eröffnen.

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