Warum braucht es einen Vaterschaftsurlaub?

Viele Paare möchten sich die Erziehungsaufgabe teilen und die Kinder gemeinsam erziehen. Nach der Geburt eines Kindes erhalten Mütter einen gesetzlich geregelten Mutterschaftsurlaub, doch für Väter fehlt eine entsprechende Regelung. Mit der Volksinitiative «Vaterschaft zum Nutzen der ganzen Familie» soll auch für Väter ein Urlaub erwirkt werden.

In den letzten Jahren hat sich punkto Vereinbarkeit von Beruf und Familie einiges getan. Viele Mütter üben ihren Beruf nach einer Babypause weiterhin aus und immer mehr Paare gehen die Kindererziehung partnerschaftlich an. Väter sind heute für die Kinder präsenter als früher. Seit sich die Frauen emanzipiert haben, versuchen sie berufliche Pläne und Familienarbeit zu verbinden. Eine Aufgabe, die nicht einfach ist und oft einem Spagat gleichkommt. Männer wollen ebenfalls von Anfang an, eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen. Ihr Anteil soll sich nicht auf das zu Bett bringen und die Gutenachtgeschichte beschränken. Vermehrt möchten Väter tagsüber zu Hause sein und miterleben, wie sich der Familienalltag abspielt.

Neue Väter braucht das Land

Doch weshalb sind beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie eigentlich so oft ausschliesslich die Mütter im Fokus? Müssten nicht auch die Bedingungen für die Väter angepasst werden? Umfragen zeigen jedenfalls deutlich, dass heute eine grosse Mehrheit der Väter eine aktive Rolle in der Familien übernehmen und dafür ihr Arbeitspensum reduzieren möchten. Das belegt auch die Studie «Was Männer wollen!» von Pro Familia aus dem Jahr 2011. Trotzdem steht Männern nach Obligationenrecht, Artikel 329, Absatz 3 gerade mal ein Tag Vaterschaftsurlaub zu. Genauso viel Zeit wie bei einem Wohnungswechsel.

Es braucht bessere Rahmenbedingungen

Weil Väter von Anfang an eine Beziehung zum Kind aufbauen und die Partnerin zu unterstützen möchten, nehmen viele Männer nach der Geburt Ferien oder machen unbezahlten Urlaub. Ein Privileg, das sich jedoch längst nicht alle Familien leisten können. Die Politik ist daher gefordert, endlich die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Schweiz ihren  massiven Rückstand gegenüber anderen europäischen Ländern aufholen kann. In anderen Staaten hat sich eine angemessene Elternzeit, die sich Mutter und Vater aufteilen, längst etabliert.

Initiative für einen Vaterschaftsurlaub

Um die gesetzlichen Bedingungen für Väter in der Schweiz zu verbessern, hat der Verein «Vaterschaftsurlaub jetzt» eine Volksinitiative lanciert. Nach dem Vorbild des Mutterschaftsurlaubs soll ein bezahlter Vaterschaftsurlaub eingeführt werden. Gemäss Initiativtext soll ein Urlaub für Väter mindestens vier Wochen dauern. Das entspricht in der Regel einer Abwesenheit von 20 Arbeitstagen. Vorgesehen ist, dass der Vaterschaftsurlaub – im Gegensatz zum Mutterschaftsurlaub – bis ein Jahr nach der Geburt des Kindes flexibel bezogen und beliebig aufgeteilt werden kann. Wer möchte, kann den Vaterschaftsurlaub als einzelne freie Arbeitstage beziehen. Auf diese Weise könnte das Arbeitspesen beispielsweise während 20 Wochen auf 80 Prozent reduziert werden.

Der Countdown läuft und weitere Informationen zur Initiative «20 Tage Vaterschaftsurlaub – notwendig, zeitgemäss, bezahlbar!» finden sich auf www.vaterschaftsurlaub.ch

Aktuelle Vorstösse im Parlament

Parallel zur Vaterschafts-Initiative werden aktuell im Parlament mehrere Vorschläge zum Thema «Vereinbarkeit» behandelt. Pro Juventute fordert die Räte auf, folgende Vorstösse in der laufenden Sommersession vom 29. Mai bis 16. Juni 2017 zu unterstützen, um die Schweiz endlich familienfreundlicher zu gestalten:

15.470 Parlamentarische Initiative Masshardt Nadine: Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Rechtsanspruch auf Reduktion des Beschäftigungsgrads nach der Geburt mehr
15.3722 Postulat Schmid-Federer Barbara / 15.360 Postulat Quadranti Rosemarie / 15.3768 Postulat Berstchy Kathrin Kosten-Nutzen-Analyse von Elternzeitmodellen  mehr

Hat Ihnen der Artikel weitergeholfen?

8
2