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Wahlen 2019: Setzen Sie ein Zeichen für Kinder und Familien

Internationale Studien bringen es regelmässig ans Licht: In der Schweiz besteht bei den Rahmenbedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien nach wie vor grosser Handlungsbedarf. Bei den eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober gilt es, die Weichen für eine fortschrittlichere Politik zu stellen.

In internationalen Vergleichen von Lebensqualität und Wohlstand erzielt die Schweiz regelmässig Spitzenplätze. Bei der Unterstützung von Eltern von Kleinkindern zählt unser Land hingegen zu den Schlusslichtern unter den Industriestaaten. Das zeigte eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nur ein Beispiel: Wird ein Arbeitnehmer Vater, darf er meist nur einen Tag frei nehmen – gleich lang wie für einen Wohnungswechsel.

Viele Kinder und eine Scheidung erhöhen Armutsrisiko

Die reiche Schweiz gehört gemäss OECD auch zu den Industriestaaten, die am wenigsten staatliche Mittel für die Familienpolitik aufwenden. Dies gilt besonders für die familienexterne Kleinkinderbetreuung. Kein Wunder, nimmt unser Land bei den Kosten für die externe Kinderbetreuung einen unrühmlichen «Spitzenplatz» ein. Gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen kostet ein nicht subventionierter Vollzeitkrippenplatz mindestens 2400 Franken pro Monat. Durch die immer noch schwierige Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, geraten oft alleinerziehende Mütter in Armut. Fehlende oder kaum bezahlbare Plätze für die Kinderbetreuung verstärken diese Problematik. Familien mit drei oder mehr Kindern sowie Alleinerziehende haben nicht nur eine grosse Verantwortung für heranwachsende Kinder und Jugendliche, sondern auch ein erhöhtes Armutsrisiko.

UN-Kinderrechtskonvention: Es gibt noch viel zu tun

Die Schweiz hat 1997 die UNO-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Für Kinder und Jugendliche in der Schweiz bedeutet das aber nicht, dass ihre Rechte auch gewährleistet sind. So sind in der Schweiz Körperstrafen in der Familie nach wie vor nicht ausdrücklich verboten und viele Kinder mit Behinderung profitieren noch nicht von integrierenden Bildungsangeboten. Auch die Interessen unbegleiteter Kinder im Asylverfahren werden nicht vollumfänglich berücksichtigt. Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz, bei dem auch Pro Juventute Mitglied ist, hat daher beim UN-Kinderrechtsausschuss in Genf eine fast 50 Punkte umfassende Liste der dringlichsten Anliegen zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention in der Schweiz eingereicht.

An der Urne ein Zeichen setzen – für das Wohl unserer Kinder

Pro Juventute engagiert sich im Sinne der Chancengerechtigkeit politisch für die Förderung und Unterstützung aller Familien in der Schweiz. Damit die Rechte von Familien, Jugendlichen und Kindern in den verschiedenen Bereichen und Kantonen umgesetzt werden können, braucht es neue Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene. Das Schweizer Familienrecht muss in weiten Teilen modernisiert werden. Nur eine moderne Familienpolitik und zeitgemässe Gesetze stärken die Rechte von Familien, Jugendlichen und Kindern nachhaltig. Doch ohne die tatkräftige Hilfe von Wählerinnen und Wählern, gelingt kein Wandel. Irene Meier, Politik-Spezialistin bei Pro Juventute, sagt: «Bundesparlamentarier haben es in der Hand, dringende Gesetzesreformen voranzutreiben und die Rechte von Kindern, Jugendlichen und Familien zu stärken. Wir alle können mit unserem Wahlzettel einen Richtungswechsel bewirken.» Mit einer bewussten Wahl von Kandidierenden (siehe orange Box) gilt es, ein Zeichen für eine fortschrittliche, familiengerechte Politik zu setzen. Wählen Sie National- und Ständeräte, die sich für eine zeitgemässere Familienpolitik einsetzen. Herzlichen Dank, dass Sie am 20. Oktober wählen gehen und ein Zeichen setzen.

So finden Sie familienfreundliche Kandidierende

  • Die elektronische Wahlhilfe-Plattform Smartvote.ch unterstützt Sie bei der Auswahl von familienfreundlichen Politikerinnen und Politikern. Die Online-Plattform ist politisch neutral und wird vom nicht gewinnorientierten Verein Politools betrieben. Kandidierende füllen jeweils vor den eidgenössischen Wahlen den extra dafür erstellten Smartvote-Fragebogen aus. Er beinhaltet Fragen aus einem breiten Spektrum aktueller politischer Fragen. Basierend auf den Antworten erstellt Smartvote ein politisches Profil der Person. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Smartvote kostenlos registrieren und auch beispielsweise nur Fragen zu einzelnen Politikbereichen wie «Sozialstaat & Familie» beantworten. Die Plattform listet dann basierend auf Ihren Antworten passende Kandidierende auf.
  • Bei allgemeinen Fragen zu den National- und Ständerats-Wahlen hilft Ihnen auch die ebenfalls politisch neutrale Online-Plattform easyvote weiter.
  • Registrieren Sie sich auf www.wevote.ch/projuventute und wir erinnern Sie rechtzeitig daran, das Wahlcouvert abzusenden oder zur Urne zu bringen.
Irene Meier

Irene Meier

Irene Meier ist bei Pro Juventute für das Thema Kinder-, Jugend- und Familienpolitik verantwortlich. Als Mutter von zwei kleinen Mädchen ist sie selber täglich mit Fragen der Vereinbarkeit konfrontiert. Und als Präsidentin des Netzwerks Kinderrechte Schweiz engagiert sie sich für die Umsetzung der Kinderrechte in der Schweiz. Ihren wissenschaftlichen Hintergrund aus dem Studium der Politologie, Soziologie und Völkerrechte an der Universität Zürich setzt die erfahrene Politik- und Kommunikations-Expertin mit viel Leidenschaft dafür ein, dass die Schweiz endlich ein Stück kinder- und familienfreundlicher wird.

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