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Vom Umgang bis zur Abgewöhnung – Tipps rund um den Nuggi

Bei der Pro Juventute Elternberatung fragen Mütter und Väter immer mal wieder nach, wie sie ihren Kindern den Nuggi abgewöhnen können. In einem Gespräch gibt die Beraterin Eveline Männel Fretz hilfreiche Tipps zum Nuggigebrauch.

In Ihrer täglichen Arbeit werden Sie mit Fragen konfrontiert, die Eltern beschäftigen. Welchen Stellenwert nimmt das Thema Nuggi ein?

Eveline Männel Fretz: «Das Thema Nuggi ist eines von vielen Themen, welches Eltern in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder beschäftigt. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr tauchen häufig Fragen zum Nuggi auf, meistens gekoppelt mit dem nahenden Kindergarteneintritt. Weil jede Situation und jede Familie einzigartig ist, wenden sich viele Eltern an die Elternberatung der Pro Juventute, um ihr Anliegen konkret zu besprechen.»

Was raten Sie Eltern, wie mit dem Nuggi umzugehen ist?

«Wichtig ist, kein grosses Theater um den Gebrauch des Nuggi zu machen. In bestimmten Situationen macht der Nuggi als Hilfsmittel durchaus Sinn. Oft kommt der Nuggi als Tröster zum Einsatz und hilft dem Kind, sich zu beruhigen. Auch grössere Kinder brauchen vielfach noch ein Stofftier, um einzuschlafen. Weniger ideal finde ich, wenn der Nuggi an einer Kette hängt und ständig einsatzbereit ist. Besser wäre, dem Nuggi einen festen Platz zu geben und dem Kind zu erklären, wann Nuggi-Zeit ist. Beispielsweise im Bett, zum Einschlafen, auf einer Autofahrt oder wenn das Kind traurig, müde oder krank ist. So kommt der Nuggi in ruhigen Phasen zum Einsatz und aktive Momente sind «nuggilos». Gut ist, wenn Eltern darauf achten, ob Spielsituationen auch ohne Nuggi möglich sind.»

Gibt es einen Zeitpunkt, der «richtig» ist, um einem Kind das Nuggeln abzugewöhnen?

«Ja und nein. Ab dem achten Monat nimmt der natürliche Saugreflex des Kindes stetig ab und der Nuggi ist nicht mehr gleich notwendig. Um dem ständigen Nuggeln entgegenzuwirken, können Eltern mit dem Kind abmachen, dass der Nuggi tagsüber während Spiel- und Essenszeiten beispielsweise in ein Schatzkästchen gelegt wird. Wenn Nuggis einfach so umherliegen, stecken sie sich die Kinder eher aus Langeweile oder lauter Gewohnheit in den Mund. Bei Zweijährigen können Eltern auch sagen, wie toll es ist, dass ein so grosser Junge oder Mädchen seinen Nuggi nur noch selten braucht.»

Soll man als Eltern wirklich eingreifen, damit das Kind mit Nuggeln aufhört? Wäre es nicht besser zu warten, bis es den Nuggi selber nicht mehr möchte?

«Dass ein Kind seinen Nuggi von sich aus hergibt, ist unwahrscheinlich. Dafür ist er zu angenehm und hilft über schwierige Situationen hinweg. Wegen der Zahnstellung empfehlen Zahnärzte ab dem dritten Lebensjahr mit dem Nuggi aufzuhören. Wichtig ist, dass das Kind Zeit hat, sich langsam von seinem Nuggi zu lösen und sich an ein nuggiloses Dasein zu gewöhnen. Wie bei anderen Erziehungsaufgaben braucht es auch bei diesem Thema Eltern, die ihr Kind während dieser Phase liebevoll begleiten.»

Welche kreativen Abgewöhnungsideen schlagen Sie Eltern vor?

«Man kann auf bewährte Ideen setzen oder eigene Ideen aushecken. Bewährt haben sich beispielsweise Tauschgeschäfte: Die Nuggifee holt den Nuggi nachts und legt etwas unter das Kissen. Oder Samichlaus, Osterhase tauschen den Nuggi gegen ein Chlaussäckli oder Osterkörbchen ein. Viele Kinderärzte nehmen Nuggis von ihren kleinen Patienten an und schenken ihnen dafür ein Spielzeug. Weitere Möglichkeiten sind: Den Nuggi zusammen mit dem Kind an einen Nuggibaum zu hängen. Alle Nuggis einsammeln und ein Päckli an eine «geheime» Adresse schicken. Anonym schickt der Götti oder die Grossmama nachher eine Überraschung zurück. Zusammen mit dem Kind ein kleines Holzfloss bauen, den Nuggi darauflegen und das Floss den Bach hinabgleiten lassen. Den Nuggi an einen Ballon binden und hochsteigen lassen. Mit etwas Fantasie finden Eltern bestimmt wirkungsvolle Möglichkeiten, um ihrem Kind zu helfen, sich vom Nuggi zu verabschieden.»

Wie sollen Eltern reagieren, wenn das Kind den Nuggi nach dem Abgeben wieder zurückhaben will? Sollte man unnachgiebig bleiben?

«Ja, auch wenn es nicht einfach ist. An Abmachungen festzuhalten, ist ein wichtiger Teil der Abgewöhnungsphase. Suchen Sie mit Ihrem Kind nach Alternativen, wie es sich auch ohne Nuggi trösten kann. Lenken Sie Ihr Kind mit anderen Dingen ab und schenken Sie ihm in dieser schwierigen Phase genügend Aufmerksamkeit. Vielleicht braucht es auch Erklärungen, wie beispielsweise, dass der Nuggi Ruhe braucht und dass es deshalb ein Schmusetuch oder Kuscheltier bekommt.»

Es gibt Eltern, die bewusst auf den Nuggi verzichten. Wo sehen Sie da die Vor- und Nachteile?

«Ein Vorteil ist sicher, dass es keine Entwöhnung gibt. Doch auch ohne Nuggi wird das Kind seinen Saugreflex stillen und am Daumen oder sonst an etwas lutschen. Denn Saugen entspricht einem biologischen Bedürfnis und Nuggi sind keine neumodischen Erscheinungen, sondern haben eine lange Tradition. Im Vergleich zum Daumen, ist der Nuggi idealer. Weil der Daumen immer zur Stelle ist, wird das Abgewöhnen schwieriger. Grundsätzlich ermutigen wir Eltern, ihrem Instinkt zu vertrauen, Dinge auszuprobieren, auch wenn dabei mal ein Fehler passiert und sich Zeit für die Kinder zu nehmen.»

Tipps für Eltern

      • Versuchen Sie den Gebrauch des Nuggi auf bestimmte Zeiten oder Momente zu beschränken und achten Sie darauf, dass der Nuggi nicht ständig einsatzbereit ist.
      • Geben Sie Ihrem Kind Zeit, allmählich ohne Nuggi auszukommen. Beachten Sie aber auch, dass wegen der Zahnstellung der Gebrauch des Nuggi ab dem dritten Lebensjahr nicht mehr empfehlenswert ist.
      • Ein wichtiger Teil der Abgewöhnungsphase besteht darin, dass Sie an Abmachungen festhalten.
      • Suchen Sie nach kreativen Ideen, damit die Nuggi-Entwöhnung spielerisch verpackt werden kann. Hilfreich ist auch, wenn Sie in dieser Umgewöhnungsphase vermehrt für Ihr Kind da sind.
Eveline Männel Fretz

Eveline Männel Fretz

Eveline Männel Fretz ist dipl. Sozialarbeiterin HF und Beraterin bei der Pro Juventute Elternberatung. Diese steht Eltern und Erziehungsberechtigten jeden Tag und rund um die Uhr vertraulich zur Verfügung. Telefonisch zum Normaltarif unter 058 261 61 61 sowie online unter
elternberatung.projuventute.ch

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