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Spielen mit losen Teilen: stressfreie Zeit für Eltern und Inspiration für Kinder

Welches Spielumfeld fördert die Kreativität des Kindes und lässt es selbstbestimmt spielen? Loses Material wie Äste, Schaufeln und Eimer ergänzen den Spielplatz und machen ihn gestalt- und veränderbar.

Endlich hat es aufgehört zu regnen. Schnell raus – zum Spielplatz um die Ecke. Die Rutsche ist nass, das Spielhäuschen riecht modrig und das Federsprungentchen wird auch bald langweilig. Die Spielmöglichkeiten scheinen sich schnell erschöpft zu haben. Zumindest diejenigen, welche die Spielgeräte anbieten. Mein vierjähriger Sohn steht einen Moment lang ratlos da, ich bin auf dem Spielplatz keine inspirierende Spielpartnerin und mag nicht animierend selber in das Spielhäuschen steigen. Doch in dem Moment gewinnt der Spielplatz die Spielqualität zurück: Mein Sohn entdeckt einen heruntergefallenen Ast und mischt eine Suppe aus Pollenmatsch. Er entdeckt weitere Zutaten für die Suppe, bis er ein Brett findet, mit dem er die Suppe in einen See und das Brett in eine Brücke verwandelt. Wir blieben drei Stunden lang auf dem Spielplatz, davon hat mein Sohn zehn Minuten mit den Spielgeräten gespielt.

Lose Teile fördern die Kreativität

Es sind lose Teile und gestaltbares Material, die Kinder zum Spielen inspirieren. Mit Holzlatten, Blöcken, Kieseln, Schnurstücken, Veloschläuchen, Kisten, Töpfen oder Rohren können Kinder eine Spielumgebung erschaffen. Lose Teile laden zur Interaktion ein und fördern die Kreativität. Fix installierte Spielgeräte wie Rutschen und Schaukeln – bisher der Inbegriff eines Spielplatzes – ermöglichen zwar besondere Bewegungen, was Spass macht – das schöpferische Spiel wird aber dadurch nur bedingt angeregt.

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Je mehr verschiedenartige Teile da sind, desto spannender wird das Spiel

«Loose Parts» ist ein Begriff, den der britische Architekt Simon Nicholson in den 70er Jahren geprägt hat. Er bezeichnete damit Materialien und Teile, die bewegt, kombiniert, auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden können. Ob eine Umgebung inspirierend ist – so Nicholson –, hängt davon ab, wie viele Möglichkeiten sie bietet, sie mit losem Material zu gestalten.[1] Je mehr verschiedenartige Teile da sind, desto mehr Kombinationen können die Kinder schaffen und desto spannender wird das Spiel. Das Zusammenstellen, Zerstören, Ordnen und Animieren der verschiedenen Gegenstände macht Spass und unterstützt das eigenständige und kreative Denken. In den letzten Jahrzehnten wurde das Konzept der «Loose Parts» weltweit von vielen Lehr- und Betreuungspersonen aufgegriffen und in die Arbeit und das Spielen mit Kindern integriert.

Naturräume bieten oft alles, was Kinder zum Spielen brauchen

Was Spielräume also brauchen, ist mehr loses Material. Zeug, das rumliegt und vielleicht etwas unordentlich aussieht. Gibt es solche Spielräume? Ja! Naturräume wie zum Beispiel der Wald, ein Bachbett, eine Wiese, ein Steinbruch oder eine Kiesgrube sind spannende Räume voller loser Naturteile zum Verändern und Gestalten. Robinson-, Abenteuer- und Bauspielplätze verfolgen diesen Ansatz in einem urbanen Setting. Aus der Perspektive der Kinder ist herumliegendes Material eine Aufforderung, es in ihr Spiel zu integrieren! Und für Erwachsene bedeutet dies, das man sich gemütlich ausklinken kann…

[1] Simon Nicholson schreibt: «In any environment, both the degree of inventiveness and creativity, and the possibility of discovery, are directly proportional to the number and kind of variables in it.» Quelle: http://ojs.lboro.ac.uk/ojs/index.php/SDEC/article/view/1204/1171

Petra Stocker

Petra Stocker

Petra Stocker koordiniert Spielraum und Spielkulturprojekte bei der Stiftung Pro Juventute, um das Kinderrecht auf Spiel zu stärken.

Anregungsreiche Spielräume, die Kindern und Jugendlichen ein vielfältiges Spiel ermöglichen, sind ihr ein grosses Anliegen, da dies einen wesentlichen Faktor für ein gesundes Aufwachsen darstellt.

Sie ist Mutter eines vierjährigen Sohnes, arbeitet seit zehn Jahren in der offenen Arbeit mit Kindern und ist Soziokulturelle Animatorin.

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