So nutzen Kinder in der Schweiz Medien

Das Handy ist das Lieblingsmedium der Kinder – die liebste Freizeitbeschäftigung bleibt jedoch das Spielen an der frischen Luft. Dies zeigt die MIKE-Studie 2017, die die Mediennutzung von Kindern in der Schweiz zwischen sechs und dreizehn Jahren untersucht. Wird ein Kind von den Eltern begleitet, wenn es die Welt der Medien kennenlernt, baut es wichtige Kompetenzen auf. Kinder lernen mit ihren Eltern, Medieninhalte kritisch anzuschauen, sie zu geniessen und auszuwählen und über Medienerfahrungen zu sprechen.

Die MIKE-Studie 2017 der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW untersucht die Mediennutzung von Kindern in der Schweiz. Sie zeigt, dass Kinder Smartphones und Tablets zwar rege nutzen, aber viel lieber draussen spielen, Sport treiben oder Freunde treffen. Die Studie empfiehlt Eltern, bei der Mediennutzung ihrer Kinder Regeln hinsichtlich der Nutzungsform und Nutzungsdauer aufzustellen sowie auf altersgerechte Inhalte zu achten.

Die beliebtesten Freizeitaktivitäten

Abgesehen von den Hausaufgaben, welche die Primarschulkinder gezwungenermassen erledigen müssen, sind laut der Studie Spielen, Sport sowie Freunde treffen die beliebtesten Freizeitaktivitäten der 6- bis 13-Jährigen. 94 Prozent, bzw. 86 Prozent spielen in ihrer Freizeit mindestens einmal pro Woche draussen oder drinnen. Im medialen Alltag ist Fernsehen neben Musikhören und Bücher lesen die häufigste Tätigkeit, d.h. nur drei Prozent der Kinder der Schweiz schauen nie fern. Dafür hören 45 Prozent fast täglich Musik, 94 Prozent der Kinder lesen mindestens ab und zu in ihrer Freizeit ein Buch, 36 Prozent lesen sogar fast täglich.
Vielseitige Freizeitaktivitäten, draussen wie drinnen, sind eine wichtige Voraussetzung für die gesunde Entwicklung der Kinder. Spielen ist nicht nur die Basis jeglicher kindlicher Entwicklung sondern auch eine Form von Kommunikation und Interaktion – mit anderen Kindern, mit der Umwelt, zwischen Generationen und Kulturen .

Lieblingsmedium Handy

Das Handy das Lieblingsmedium der Primarschulkinder, so die Studie. Rund die Hälfte Primarschulkinder besitzt ein eigenes Handy, grösstenteils ein Smartphone. Die Unterschiede je nach Altersgruppe sind jedoch gross. Ein Viertel der 6- bis 7-Jährigen hat ein eigenes Handy, bei den 10- bis-11 Jährigen sind es rund zwei Drittel bei den 12- bis 13-Jährigen sind es fast drei Viertel. Ab welchem Alter das Kind das eigene Smartphone erhalten soll, wird kontrovers diskutiert. Die Studienautorin Lilian Suter empfiehlt den Eltern, sich nicht vor dem neunten Geburtstag ihres Kindes weichklopfen zu lassen, obwohl es ein allgemeingültiges Alter nicht gibt. Sie rät, dass bei den Kindern, für die ein Smartphone angeschafft wird, bereits eine gewisse Lesekompetenz vorhanden sein soll.

Erziehung zur Medienkompetenz

Die Entwicklung kindlicher Medienkompetenz beginnt beim ersten Betrachten eines Buches und damit bereits im frühen Primarschulalter. Wird ein Kind von den Eltern begleitet, wenn es die Welt – und damit die Medien – kennenlernt, baut es wichtige Kompetenzen für seine Zukunft auf. Dazu gehört auch Medienkompetenz, die sich aus vielen Fähigkeiten zusammensetzt: Kinder lernen mit ihren Eltern, Medieninhalte kritisch anzuschauen, sie zu geniessen und auszuwählen, über Medienerfahrungen zu sprechen. Den Eltern kommt in der Medienerziehung also eine sehr wichtige Rolle zu. Pro Juventute unterstützt Eltern deshalb schon lange mit Informationen und Elternveranstaltungen zum Thema Medienkompetenz.

Handynutzung, wenn man eigentlich schlafen sollte

Gemäss der Studie nutzen 35 % der Mittelstufenkinder (ab 10 Jahren), mindestens einmal pro Woche Ihr Handy, wenn sie eigentlich schlafen sollten. Bei 14% ist dies sogar jede oder fast jede Nacht der Fall. In verschiedenen Studien wurde der Zusammenhang zwischen der intensiven Nutzung von Online-Zeit und digitalen Medien vor dem Schlafengehen und einem erhöhten Risiko von Schlafstörungen und depressiven Symptomen nachgewiesen. Das Schlafzimmer sollte deshalb zumindest während der Schlafenszeit eine handyfreie Zone sein.

Tipps für den Medienalltag mit Kindern

  • Mit dem Vorlesen fangen für das Kind erste Medienmomente an.
  • Begleiten Sie Ihr Kind bei der Mediennutzung.
  • Kinder- und altersgerechte Angebote auswählen und das Kind immer stärker bei der Auswahl einbinden.
  • Kein Kind unter drei Jahren verpasst etwas, wenn es noch keine Bildschirmmedien konsumiert.
  • Kein Vorschulkind erleidet einen bleibenden Schaden, wenn es zeitlich begrenzt und begleitet ein altersgerechtes Angebot nutzt.
  • Eltern können sich an zeitlichen Richtlinien orientieren.
  • Über inhaltliche und zeitliche Regeln, die zu Hause gelten, entscheidet jede Familie selbst. Mit dem Älterwerden der Kinder verändern sich auch die Regeln.
  • Je jünger das Kind, desto mehr sollte es beim Medienumgang begleitet werden.
  • Eltern sollten den Kindern Medienregeln erklären. Je älter das Kind ist, umso eher kann es die Absicht verstehen.
  • Während der Schlafenszeit sollte das Handy nicht im Schlafzimmer sein.
  • Auch im Hinblick auf die Nutzung von (Bildschirm-)Medien sind Eltern Vorbilder.

Ratgeber für Eltern

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