Negative Einflüsse der Medien auf das Körperbild von Jugendlichen mit einfachen Mitteln vermeiden

Lassen Sie Ihr Kind nicht in die Falle tappen: Fotobearbeitungsprogramme wie Photoshop oder Gimp lassen Personen oder Sonnenuntergänge perfekt aussehen. Medienkompetenz hilft Ihrem Kind, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden und eine positive Selbstwahrnehmung zu entwickeln.

«Pics or it didn’t happen!» Bilder haben grossen Einfluss auf uns: Das Foto eines neugeborenen Familienmitglieds bringt uns zum Lächeln, Nachrichtenbilder aus Kriegsgebieten machen uns traurig, Werbung mit ansprechenden Bildern verleitet uns zum Kaufen. Gleichzeitig ist unsere Welt mehr denn je von in Bildern gegossenen Superlativen durchsetzt: Traumhaft gebaute Fitnessmodels, saftiges Essen oder makellose Stars treffen wir mehrmals täglich in gedruckter Form, im TV und online an. Für die Macher von Bildern ist es zu einer grossen Herausforderung geworden, aus der Masse herauszustechen und die Aufmerksamkeit des Publikums für ihre Botschaft zu gewinnen. Vor und hinter der Kamera werden deshalb Höchstleistungen erbracht, um beeindruckende Bilder zu kreieren. Jeweils unterschiedliche Spezialistinnen und Spezialisten sprühen, pinseln und tupfen Menschen, Esswaren und Produkte ins richtige Licht und in die perfekte Form. Die Nachbearbeitung der Bilder am Computer tut ein Restliches: Einfärben, Retuschieren und Verformen sind angesagt.

Der Körper im richtigen Licht

Der Vergleich mit unserem alltäglichen Leben fällt aber meist weit ab. Unsere Körper sehen nicht so aus wie jene der Models, unser Essen sieht nicht so aus wie in der Werbung und unsere Garderobe nicht wie jene der Filmstars. Die Über-Bilder in den Medien sind nicht per se schlecht. Sie liefern uns Idealvorstellungen, an denen wir uns erfreuen und orientieren können. Aber für Heranwachsende ist es wichtig, besonders Abbildungen des Körpers im richtigen Licht zu sehen. Jugendliche, deren Körper sich noch in Entwicklung befindet, schauen besonders genau darauf, was in der Gesellschaft als schön und erstrebenswert gilt. Studien zeigen, dass viele mit ihrem Erscheinungsbild unzufrieden sind. Junge Mädchen fühlen sich zu dick und würden gerne abnehmen. Während viele Jungen mit dem eigenen Körper unzufrieden sind, weil sie mehr Muskeln haben möchten.

Mediale Idealbilder können Heranwachsende negativ beeinflussen

Die äusserst beliebten sozialen Medien sind stärker denn je von Bildern geprägt. Während Facebook auch reine Text-Updates zulässt, verlangen die unter Jugendlichen verbreitetsten Dienste (Instagram, TikTok) bei jedem Eintrag auch das Hochladen eines Bildes/Videos. Angesichts der Bilder von etablierten und aufstrebenden Stars ist der Grat zwischen Authentizität und Inszenierung in diesen Gefässen besonders schmal. Sind die medialen Idealbilder zu weit von der Realität entfernt und allgegenwärtig, können sie Heranwachsende negativ beeinflussen. Denn wer nicht weiss, wie solche Bilder zustandekommen, läuft Gefahr, diese als Realität zu interpretieren. Es ist deshalb sinnvoll, Heranwachsende in diesem Bereich zu begleiten.

In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass Medieninhalte, die stark auf Äusserlichkeiten fokussieren, Heranwachsende negativ beeinflussen. Ihre Zufriedenheit mit dem eigenen Körper nimmt ab. Der Wunsch, eine Diät zu machen, steigt und die Vorstellung, dass nur besonders schöne Menschen in der Gesellschaft erfolgreich und glücklich sein können, verfestigt sich.

Wer die Tricks kennt, mit denen die vermeintlich perfekten Bilder hergestellt werden, ist mit seinem eigenen Körper nachweislich zufriedener.

Eine wissenschaftlich belegte Gegenmassnahme zu diesen Effekten ist, Heranwachsenden die entsprechende Medienkompetenz zu vermitteln. Wer die Tricks kennt, mit denen die vermeintlich perfekten Bilder hergestellt werden, ist mit seinem eigenen Körper nachweislich zufriedener. Diese Hintergründe können Eltern und Lehrpersonen ganz einfach aufzeigen. Im Internet gibt es zahlreiche Sammlungen und Videos zum Thema: z.B. Vergleiche von originalen und retuschierten Fotos von Stars oder einfache Tutorials, wie man mit Photoshop/Gimp selber Fotos retuschieren kann.

Immer etwas zu lachen gibt es, wenn man gemeinsam retuschierte und originale Bilder vergleicht und nach den Unterschieden sucht. So lässt sich das Thema mit Leichtigkeit und Humor angehen – ohne den moralisierenden Zeigefinger zu heben.

Dr. Martin Hermida

Dr. Martin Hermida

Leiter Studiengang Fachdidaktik Medien und Informatik, PH Schwyz

Dr. Martin Hermida forscht am Institut für Medien und Schule an der Pädagogischen Hochschule Schwyz, wo er auch in der Aus- und Weiterbildung als Dozent tätig ist. Er leitet dort den Masterstudiengangs Fachdidaktik Medien und Informatik. Seine Hauptgebiete sind Medienkompetenz, Medieneffekte, Medienbildung und Mediendidaktik. Daneben gibt er Weiterbildungen an der Universität Zürich und berät Behörden, Firmen und Gemeinnützige Organisationen zu den Themen Mediennutzung von Jugendlichen und Jugendmedienschutz.

Hat Ihnen der Artikel weitergeholfen?

0
0