Erlebniswelt Schulweg

Auf dem Weg in den Kindergarten und in die Schule machen Kinder zahlreiche Erfahrungen. Wenn Kinder mit dem Auto gebracht und abgeholt werden, mag das zwar auf den ersten Blick einfacher sein, doch dem Kind entgehen so wichtige Lernfelder. Überlegungen zur Bedeutung des Schulweges.

Gemeinsam Pläne schmieden, was man nach der Schule unternehmen möchte; im Sonnenschein einander auf den Schatten treten; bei der Baustelle stehenbleiben und die Bauarbeiten beobachten; in Regenpfützen umherhüpfen; die Katze streicheln und um den Hund einen Bogen machen; tuscheln, lachen und einander Geheimnisse anvertrauen … Auf dem Schulweg ist die Themenpalette bunt, die Erlebniswelt vielfältig und die Lernmöglichkeiten sind gross. Wichtig ist, dass Kinder unter sich und sich nicht ständig in der Obhut von Erwachsenen befinden.

Bedeutungsvolles Lernfeld

Auf dem Weg zur Schule eignen sich Kinder in diesem Erlebnis- und Erfahrungsraum eine gewisse Eigenständigkeit an. Deshalb sollten Schulkinder den Weg bald alleine bewältigen, sagen Fachleute. Beim Unterwegssein lernen Kinder, sich selbstständig zu behaupten und Gefahren auf der Strasse selber einzuschätzen. Auch das Agieren in einer Gruppe und das Zusammentreffen unterschiedlicher Altersgruppen werden auf dem Schulweg geübt. Schade, wenn dieser Lernort beschnitten wird, weil Kinder mit dem Auto in den Kindergarten und die Schule gefahren werden.

Ängste und Gefahren

Zunehmend häufiger werden Eltern von Ängsten geplagt und befürchten, dass ihrem Kind etwas passieren könnte. Vielleicht spielt ja auch etwas Bequemlichkeit mit und es ist einfacher, wenn man das Kind ins Auto packt und vor der Schule abliefert. Über den Schulweg wird viel diskutiert und geschrieben. Oft gehen die Ansichten komplett auseinander, was zumutbar ist oder was einem Kind nicht zugemutet werden darf. Im Zentrum der Diskussionen stehen die Länge des Schulwegs, die Rolle der Eltern und die Einschätzung der Gefahren. Begreiflicherweise sorgen sich Eltern, dass ihrem Kind auf dem Schulweg etwas passieren könnte. Dass auch Autofahren nicht unbedingt ungefährlich ist, wird gerne ausgeblendet.

Selbstständigkeit fördern

Je jünger das Kind ist, desto schwieriger ist das Loslassen. Der Schritt in eine grössere Selbstständigkeit verlangt Eltern und Kind einiges ab. Dass Kindergartenkinder am Anfang begleitet werden, ist gut und richtig. Doch braucht es dafür nicht unbedingt ein Auto. In der Schweiz ist die Distanz der Schulwege meistens zumutbar. Lehrpersonen, Verkehrs- und Bewegungsfachleute raten, die Kindergarten- und Schulneulinge zu Fuss zu begleiten. Auch wenn es vielfach bequemer wäre, das Kind auf dem Weg zur Arbeit mit dem Auto schnell abzuladen. Damit die zeitliche Beanspruchung nicht allzu gross ist, organisieren sich Eltern oft untereinander.

Sicherheit und Freiräume

Dass die Politik und die öffentliche Hand gefordert sind, für sichere Schulwege zu sorgen, versteht sich von selbst. Denn unsere Kinder sollen möglichst selbstständig in den Kindergarten und die Schule geschickt werden. Eltern, die ihren Kindern den Freiraum Schulweg gönnen, tragen dazu bei, dass Selbstständigkeit geübt, Beweglichkeit und Ausdauer gefördert und soziale Kontakte geknüpft werden können.

Tipps für Eltern

  • Tragen Sie dazu bei, dass Ihr Kind den Schulweg so bald wie möglich selbstständig meistert.
  • Begleiten Sie Ihr Kind nur so lange wie nötig und achten Sie darauf, dass Sie, so oft wie möglich, zu Fuss unterwegs sind.
  • Organisieren Sie sich mit anderen Eltern, falls Ihr Kind den Schulweg noch nicht alleine bewältigen kann.
  • Fragen Sie sich immer mal wieder, ob Sie Ihr Kind wirklich aus Ängstlichkeit oder eher aus Bequemlichkeit in den Kindergarten, in die Schule zu fahren.
  • Gönnen Sie Ihrem Kind den Freiraum, den es auf dem Weg in die Schule erfahren kann. Lassen Sie Ihren Sohn, Ihre Tochter diesen Erlebnisraum erkunden.

Susan Edthofer

Susan Edthofer

Susan Edthofer ist Pädagogin und Texterin. Früher war sie als Redaktorin für die Fachzeitschrift «4 bis 8» tätig. Seit 2011 arbeitet sie als Redaktorin für die Pro Juventute Elternbriefe und verfasst regelmässig Beiträge zu Erziehungsthemen.

Hat Ihnen der Artikel weitergeholfen?

2
0