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Lehrstellensuche: Das können Sie tun, wenn Ihr Kind keine Lehrstelle findet

Die Lehrstellensuche stellt unsere Kinder vor eine ungewohnte Aufgabe. Damit sie ihren Einstieg in die Berufswelt gut bewältigen können, brauchen sie die Unterstützung ihrer Eltern. Jugendliche mit engagierten Eltern haben deutlich bessere Chancen auf eine Lehrstelle. Nach den Frühlingsferien nimmt der Druck für jene, die noch keine Anschlusslösung haben, zu  –  auch für die Eltern.

Wurden alle vorbereitenden Aufgaben für die Lehrstellensuche wie das Absolvieren von Berufsneigungs- und Eignungstests, der Besuch von Informationsveranstaltungen, Berufsmessen und Schnupperlehren und das Erstellen der Bewerbungsunterlagen erledigt, braucht es im Bewerbungsprozess neben Fähigkeiten, Ehrgeiz und Ausdauer immer auch eine Portion Glück. Werden indes die Absagen zu häufig, muss der Jugendliche seinen Berufswunsch überprüfen, die Bewerbungsunterlagen optimieren, seinen Auftritt an Vorstellungsgesprächen verbessern oder mangels ausreichender Schulnoten eine berufliche Alternative suchen.

Lehrlingslücke als Chance

Obwohl die Unternehmen bei der Jagd nach den besten Lernenden immer früher mit der Rekrutierung beginnen, sind die Aussichten bis zu den Sommerferien doch noch die gewünschte Lehrstelle zu finden, intakt. Jenen, die bisher erfolglos waren, kommt entgegen, dass sich das Lehrstellenangebot besser präsentiert als je zuvor. Besonders im Handwerk, in der Baubranche, im Verkauf und in der Gastronomie fehlt der Nachwuchs. Aber auch in anderen Sparten suchen Unternehmen händeringend junge Leute für eine Ausbildung. Diese «Lehrlingslücke» bietet ihnen eine gute Chance, falls sie die nötige Flexibilität und Kompromissbereitschaft aufbringen. Nach den Frühlingsferien werden Lehrstellen oft weniger nach Noten vergeben, da das Buhlen um die besten Anwärterinnen und Anwärter beendet ist. Die Lehrbetriebe gewichten dann umso stärker das soziale Verhalten, den Einsatz in der Schnupperlehre und die Motivation, was wiederum Chancen für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler eröffnet.

Trotz allem wird es weiterhin Jugendliche geben, die bei der Lehrstellensuche nicht erfolgreich sind und auf Zwischenlösungen angewiesen sind. Einerseits sollen diese sich weiter intensiv bewerben, wegen der Anmeldefristen gleichzeitig aber eine Alternative ins Auge fassen. Gerade Jugendliche mit schulischen Defiziten können von einem Berufsvorbereitungsjahr profitieren und ihre Bewerberchancen im Hinblick auf das nächste Jahr verbessern. Diese sogenannten «Brückenangebote» repetieren den Schulstoff und beinhalten für einzelne Berufe (v.a. gestalterische oder kinderbetreuende) auch einen Vorkurs. Auch Sprachaufenthalte, Vorpraktika oder ein Sozialjahr sind sehr gute Möglichkeiten, dieses Jahr sinnvoll und praktisch zu überbrücken.

Unterstützung bei der Lehrstellensuche

Das Unterstützungsangebot für die Lehrstellensuche ist vielfältig und regional unterschiedlich. Neben den gängigen Internetportalen wie berufsberatung.ch und yousty.ch informiert die BIZ-App Schülerinnen und Schüler über Lehrberufe und unterstützt sie bei der Suche nach einem passenden Beruf. Insbesondere zeigt die BIZ-App Lehrbetriebe und freie Lehrstellen im Kantonsgebiet und in weiteren Kantonen an, ermöglicht eine Push-Benachrichtigung zu neuen freien Lehrstellen und zeigt Lehrbetriebe auf der Karte (mit integrierter Live-Ansicht) an. Die BIZ-App kann kostenlos über den Apple App Store und den Google Play Store bezogen werden.

Jugendliche, die eine intensivere Unterstützung benötigen, werden in Coaching- oder Mentoring-Programmen begleitet. Informationen dazu finden sich bei den kantonalen Berufsberatungsstellen oder im Internet. Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die sich für eine Lehrstelle im nächsten Jahr einsetzen wollen, haben die Möglichkeit, sich beim RAV anzumelden und an einem Jugendprogramm teilzunehmen.

Was können Eltern tun?

1. Berufsvorstellungen überprüfen

Sie kennen Ihr Kind und haben eine gute Vorstellung davon, welche Berufe zu Ihrem Kind passen. Diskutieren Sie offen darüber, warum Sie eine bestimmte Lehre vorziehen. Bringen Sie aber auch zum Ausdruck, dass Sie Ihr Kind auf jeden Fall unterstützen – egal für welchen Beruf es sich schliesslich entscheidet. Hüten Sie sich also davor, Ihr Kind in eine Richtung zu drängen, die vor allem dem elterlichen Wunschdenken entspricht.

2. Bewerbungsunterlagen für die Lehrstellensuche optimieren

Optimieren Sie die Bewerbungsunterlagen Ihres Kindes, indem Sie fehlende Angaben ergänzen und Rechtschreibefehler ausmerzen. Weitere Mängel, die die Lehrstellensuche erschweren, sind Lücken im Lebenslauf, nicht eingehaltene Formatvorgaben oder unseriöse E-Mail-Adressen.

3. Mut zur Flexibilität zusprechen

Unterstützen Sie Ihr Kind darin, einen getroffenen Berufsentscheid zu überdenken und zu prüfen, welche Berufe sich für den ersten Schritt in die Berufswelt auch noch eignen. Es sollte nun nicht länger nur den Traumberuf anpeilen, sondern auch verwandte Berufe in Betracht ziehen.

4. Beziehungen und Informationen nutzen

Nutzen Sie für die Lehrstellensuche Ihre Beziehungen und den Kontakt zu Menschen aus Ihrer Arbeitswelt, um für Ihr Kind eine Lehre oder eine Zwischenlösung zu organisieren. Auch sollten Sie den Jugendlichen motivieren, sich vorab unbedingt mit dem Beruf, dem Lehrbetrieb und dem Ausbildungsinhalt auseinanderzusetzen.

5. Professionelle Unterstützung vermitteln

Das BIZ Ihrer Region unterstützt Sie bei der Lehrstellensuche mit Merkblättern, Kursangeboten und Kontakten (berufsberatung.ch). Mit dem neuen, kostenlosen Elternprofil von GATEWAY unterstützen Sie Ihr Kind auf dem Weg zur Lehrstelle und sind immer informiert, was gerade passiert. Sie können Ihr Profil mit dem Profil Ihres Kindes verknüpfen und dieses einsehen – sofern auch Ihr Kind das wünscht. So können Sie prüfen, ob die Angaben und Unterlagen vollständig und fehlerfrei sind. Zudem sehen Sie, auf welche Lehrstellen sich Ihr Kind beworben hat und wie die Resonanz von Seiten der Unternehmen ist.

Der Verein S. E. S. J. (Starke Eltern – Starke Jugend) bietet kostenlose Beratungen an für Eltern von Jugendlichen zwischen Schule und Beruf. Kontaktieren Sie bei Unsicherheiten oder Fragen die Elternberatung von Pro Juventute.

Beim Thema Lehrstellensuche besteht immer die Gefahr, dass die Eltern den Verstand bevorzugen und die Gefühle vernachlässigen. Bedenken Sie, dass auch die Art und Weise, wie Eltern ihre Beziehung zum Kind pflegen und welche Einstellung Sie selber zu Arbeit und zum Beruf haben, die Lehrstellensuche beeinflussen. Eltern haben also eine Schlüsselrolle beim Berufseinstieg ihrer Kinder.

Dr. Markus Dieth

Dr. Markus Dieth

Markus Dieth ist Fachpsychologe für Laufbahn- und Personalpsychologie FSP und war in diversen Unternehmen und Organisationen im Beratungs- und Bildungsbereich tätig. Als langjähriger Berufs-und Laufbahnberater begleitet er bei Pro Juventute junge Erwachsene auf dem Weg in eine berufliche Neuorientierung.

Das unentgeltliche Beratungsangebot für 18- bis 25-Jährige findet sich auf: myfuturejob.ch.

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