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Lootboxen: Versteckte Glücksspiele in Games?

Das Verkaufs-Prinzip der Sammelbilder ist alt und bekannt. Seit einiger Zeit wird dieses Prinzip mit sogenannten Lootboxen auch in Computerspielen eingesetzt. Weil diese Elemente von Glücksspiel beinhalten, diskutieren verschiedene Länder ein Verbot von Lootboxen in elektronischen Spielen für Kinder und Jugendliche.

Viele bekannte Computerspiele wie FIFA, Counter-Strike oder Fortnite beinhalten «Lootboxen». Lootboxen in Games funktionieren ähnlich wie das Prinzip der Sammelbilder. Für wenig Geld kauft man ein Tütchen mit Stickern um sein Sammelheft zu füllen. Welche Bilder sich darin befinden, weiss man erst, wenn man das Tütchen öffnet. Zum Füllen des Sammelhefts muss man immer wieder Sticker kaufen.

Tipps für Eltern

  • Informieren Sie sich über die Bezahlfunktionen von Apps oder Games. Auf spieleratgeber-nrw.de finden Sie zu vielen Spielen neben einer pädagogischen Einschätzung zum Inhalt auch Informationen zu problematischen In-Game-Bezahlmöglichkeiten.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Mediennutzung und wie sie mit problematischen Inhalten oder Phänomenen umgehen sollen. Hören Sie zu und unterstützen Sie Ihr Kind.
  • Mit Geld umzugehen und Geld einzuteilen, sind wesentliche Fähigkeiten, welche Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung lernen müssen. Hilfreich ist, wenn sie Verantwortung für ein eigenes Budget übernehmen können. Ein bewährtes Modell ist der Jugendlohn®.  Jugendliche ab 12 Jahren verwalten ihr eigenes Budget und lernen abzuwägen zwischen Konsumwünschen und notwendigen Anschaffungen. Mehr Infos finden Sie auf jugendlohn.ch.
  • Damit das Smartphone nicht zur Kostenfalle wird bewährt es sich, für die Ausgaben in Games und Apps Prepaid-Bezahlkarten zu verwenden. Der Betrag muss dabei im Vorfeld auf die Karte geladen werden, um später In-Game-Käufe tätigen zu können.
  • Mehr Informationen und hilfreiche Tipps zu Games finden Sie in der Themenreihe «Welt der Games».
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So funktionieren Lootboxen

Lootboxen sind Beutekisten, die mit virtuellen Gegenständen per Zufallsgenerator gefüllt sind. Es kann sich einerseits um Gegenstände handeln, die für Vorteile in einem Game sorgen, beispielsweise eine Rüstung, Waffen, Medizin oder Rohstoffe. Im Gameklassiker FIFA kann das, analog zu den Panini Bildern, ein Fussballstar fürs eigene Team sein.

Andererseits gibt es Spiele, in denen die Gegenstände aus den Beutekisten rein kosmetisch sind. Diese sogenannten «Skins» wie Kleider, eine spezielle Lackfarbe für ein Auto oder sonstige Accessoires haben keinen Einfluss auf das Spielgeschehen. Beliebt sind diese Skins trotzdem, denn nicht selten sind die Gegenstände in Lootboxen exklusiv und nur beschränkt verfügbar.

Auch wenn sich Lootboxen meistens erspielen lassen; schneller kommt man an die gewünschten Gegenstände heran, wenn man sich die Boxen mit Echtgeld bzw. In-Game-Währung kauft. Sobald die Gegenstände vorteilhaft fürs Spiel sind nennt man das «pay-to-win».

Ein lukratives Geschäft

Die Lootboxen sind für die Gameindustrie ein Geschäftsmodell das sich ausbezahlt. Kleinere Transaktionen, wie sie eben auch für Lootboxen getätigt werden, machen in Deutschland etwa die Hälfte der Einnahmen bei Games aus. Auch wenn für den einzelnen Spieler oder die Spielerin die In-Game-Käufe finanziell nicht einschneidend sind, kommt für die Industrie eine enorme Summe zusammen. Und leider gibt es auch Fälle, bei denen gefährdete Gamer*innen für Transaktionen in Spielen innerhalb weniger Monate Beträge im vierstelligen Bereich ausgeben.

Lootboxen erfüllen Kriterien von Glücksspiel

Der Erfolg und zugleich die Kritik am System der Lootboxen ist ihre Unvorhersehbarkeit. Zwar erhalten die Spielenden beim Kauf von Lootboxen immer einen virtuellen Gegenwert. Durch den grossen Zufallsfaktor ist das Prinzip aber mit Glückspiel vergleichbar. Dieses wiederum ist strengen gesetzlichen Richtlinien unterstellt und der Zugang für Minderjährige nicht erlaubt.

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Bei vielen Games mit Lootboxen wissen Gamerinnen und Gamer nicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, eine gewünschte Belohnung aus der virtuellen Schatzkiste zu bekommen. Zum Teil lässt sich zwar herausfinden, in welchem Umfang virtuelle Gegenstände in einer Box enthalten sind. Welche Inhalte das sind, ist aber nicht bekannt. Und so kommt es, dass Spielende teilweise stundenlang Boxen erspielen oder eine Vielzahl neuer Kisten kaufen, um den gewünschten Gegenstand zu erlangen.

Der Erfolg und zugleich die Kritik am System der Lootboxen ist ihre Unvorhersehbarkeit. Zwar erhalten die Spielenden beim Kauf von Lootboxen immer einen virtuellen Gegenwert. Durch den grossen Zufallsfaktor ist das Prinzip aber mit Glückspiel vergleichbar.

Dieses wiederum ist strengen gesetzlichen Richtlinien unterstellt und der Zugang für Minderjährige nicht erlaubt. Bei vielen Games mit Lootboxen wissen Gamerinnen und Gamer nicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, eine gewünschte Belohnung aus der virtuellen Schatzkiste zu bekommen. Zum Teil lässt sich zwar herausfinden, in welchem Umfang virtuelle Gegenstände in einer Box enthalten sind. Welche Inhalte das sind, ist aber nicht bekannt. Und so kommt es, dass Spielende teilweise stundenlang Boxen erspielen oder eine Vielzahl neuer Kisten kaufen, um den gewünschten Gegenstand zu erlangen.

Jedes Land muss selbst handeln

Die Debatte um Lootboxen läuft seit einigen Jahren. In Belgien und den Niederlanden wurden Lootboxen in gewissen Spielen bereits als illegales Glücksspiel eingestuft und verboten. Die Spielehersteller mussten die Lootboxen aus ihren Spielen entfernen oder für mehr Transparenz sorgen. In den USA wurde ebenfalls ein Gesetzesentwurf präsentiert, welcher Lootboxen als Glücksspiel ansieht und daher in Games verbieten will.
Ob das Anbieten von Lootboxen in der Schweiz unter das neue Geldspielgesetz fällt, das seit Januar 2019 in Kraft ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Sache ist komplex. Entscheidend ist, wie in einem Game die Lootboxen erlangt werden und ob der Inhalt einen finanziellen Gewinn mit sich bringt. Zudem muss jedes Spiel einzeln angeschaut werden.

Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei der Pro Juventute für den Themenbereich Finanzkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachpersonen rund um die Themen Geld und Konsum. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von zwei Buben.

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