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Kostgeld: Wie viel soll ein Lehrling zu Hause abgeben?

Viele Jugendliche starten nach den Sommerferien eine Lehre und verdienen erstmals ihren eigenen Lohn. Von nun an sind die Jugendlichen nicht mehr vollständig finanziell von den Eltern abhängig. Dieser Schritt in Richtung Erwachsenwerden wirft immer wieder die Frage auf, ob die Lehrlinge nun etwas zu Hause abgeben müssen.

Für Jugendliche scheint der Übertritt in die Lehre oft als Schritt in die finanzielle Freiheit. Bald wird jedoch klar, dass ein niedriger Ausbildungslohn weder für den Lebensunterhalt reicht, noch vollumfänglich frei zur Verfügung steht.

Das sagt das Gesetz

Grundsätzlich gilt: der selbstverdiente Lehrlingslohn gehört dem Jugendlichen. Mit einem geregelten Einkommen des Kindes dürfen die Eltern jedoch erwarten, dass es sich mit einem „angemessenen“ Betrag am Unterhalt beteiligt, sofern sie zusammen wohnen. So ist es im Schweizerischen Zivilgesetzbuch festgehalten (ZGB, Art. 323).

Dieses sogenannte Kostgeld bezieht sich auf den Unterhalt zu Hause, also Kost und Logis. Damit sind anfallende Kosten für Mahlzeiten, Wäsche, Wohnen etc. gemeint. Als Mitglied der Familien-Wohngemeinschaft darf vom Jugendlichen dafür ein Betrag verlangt werden.

Konkrete Zahlen über die Höhe des Kostgeldes gibt das Gesetz nicht vor. Dies liegt im Ermessen der Eltern in Absprache mit dem Jugendlichen. Budgetberatung.ch bietet verschiedene Vorlagen, auch zum Thema Kostgeld, welche als Diskussionsgrundlage über die Höhe des Betrags verwendet werden können. Fachpersonen empfehlen als Orientierung 10-20% des Lehrlingslohnes.

Über Geld reden – Klarheit schaffen

Eltern sollen die Chance nutzen, vor dem Lehrantritt mit dem Jugendlichen Fragen zu persönlichen Finanzen zu besprechen. Dazu werden gemeinsam die Ausgaben aufgelistet, welche für den Jugendlichen anfallen. Unabhängig von der Höhe des Lohnes können danach Fragen diskutiert werden wie:

  • Was soll mit dem Lehrlingslohn bezahlt werden (Z.B. Ausgang, Kleider, Handy, Sparen)?
  • Wie viel soll zu Hause abgegeben werden (Kostgeld)?
  • Inwiefern beteiligen sich die Eltern an gewissen Kosten (z.B. GA, Ferien, Krankenkasse)?

Auch beim Übertritt ins Gymnasium oder bei Studienbeginn empfiehlt es sich, die persönlichen Finanzen und gegenseitigen Erwartungen über Verantwortlichkeiten zu klären. So können allfällige Missverständnisse aus dem Weg geräumt und Streitigkeiten verhindert werden. Für Jugendliche, welche ins Gymnasium gehen oder ein Studium beginnen, eignet sich der Jugendlohn. Mehr Informationen und Arbeitsblätter dazu finden Sie auf jugendlohn.ch.

Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei der Pro Juventute für den Themenbereich Finanzkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachpersonen rund um die Themen Geld und Konsum. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

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