Kostenfalle Smartphone

Für viele Kinder und Jugendliche ist das Smartphone zu einem ständigen Begleiter geworden. Es bietet Möglichkeiten für Kommunikation, Unterhaltung, Lernen und hilft, den Alltag zu organisieren. Doch es gilt auch kritische Aspekte zu berücksichtigen. Neben ungeeigneten Inhalten, zu intensiver Nutzung und dem Kontakt zu unbekannten Personen ist auch bei den Kosten Vorsicht geboten.

Es erstaunt nicht, dass immer wieder hohe Handyrechnungen, verursacht durch Kinder oder Jugendliche, entstehen. Ursachen gibt es unterschiedliche, beispielsweise Internet- und Telefonnutzung im Ausland oder Überschreiten des monatlichen Datenvolumens beziehungsweise der Gesprächsminuten. Mehr Informationen dazu gibt es in einem Merkblatt des Konsumentenschutzes.

In der Welt der Apps und elektronischen Spiele wird nach Gewinn gestrebt. Keine App ist gratis! Auch wenn gewisse Anwendungen kostenlos heruntergeladen werden können, die Anbieter versuchen den maximalen Ertrag aus einer App herauszuholen.

Apps und Kostenübersicht

Gewisse Apps können kostenlos erworben werden, andere sind kostenpflichtig, um beispielweise ein Spiel überhaupt installieren zu können. Weil Jugendliche und Kinder meist keine eigene Kreditkarte besitzen, um via App-Stores Anwendungen zu kaufen, ermöglichen die Hersteller andere Zahlungsmöglichkeiten: zum Beispiel via Telefonrechnung. Kosten werden direkt der Handyrechnung belastet oder man muss auf eine kostenpflichtige Nummer anrufen. Eine weitere Möglichkeit sind Prepaid-Karten (Paysafecards), die am Kiosk oder in anderen Shops erhältlich sind. Darauf befindet sich ein fixes Guthaben sowie ein Code, um dieses Guthaben einzulösen. Auch für die «Stores» von Apple oder Android gibt es Guthabenkarten. Vor allem auf Smartphones und Tablets können viele Apps auch gratis heruntergeladen werden. Auf den ersten Blick ist das natürlich attraktiv, doch gerade günstige oder kostenlose Apps, vor allem Spiele, bergen oftmals Kostenfallen. Unabhängig davon, ob eine App etwas kostet oder gratis erhältlich ist, sollte man sich folgende Risiken bewusst machen:

  • Verlust der Kostenkontrolle
    Bei Apps, welche nicht einmalig bezahlt werden, sondern je nach Nutzung mehr oder weniger kosten (siehe In-App-Käufe), fehlt oft eine Kostenübersicht. Es kann also hohe Rechnungen geben. Wenn Kinder und Jugendliche z. B. ein Prepaid-Abo lösen, lässt sich das Risiko des Kontrollverlustes einschränken. Kreditkarten sollten nur in Begleitung Erwachsener benützt werden und der PIN der Kreditkarte sollte nie dem Kind weitergeben werden.
  • In-App-Käufe
    Viele Spiele oder Apps sind beim Download kostenlos. Um die App weiter zu nutzen, muss nach einer gewissen Zeit oder ab einem bestimmten «Level» Geld investiert werden. Diese so genannten «In-App-Käufe» ermöglichen beispielsweise, dass für kleine Beträge spannende Erweiterungen gekauft, neue Fähigkeiten für eine Spielfigur erworben werden können oder das nächste «Level» freigeschaltet wird.
  • Spielwährungen
    Einige Handygames verfügen über eigene Währungen, wie Goldmünzen oder Pfennige, um beispielsweise Gegenstände oder Fähigkeiten zu kaufen. Natürlich kann der Erfolg im Spiel gesteigert werden, wenn man mit echtem Geld mehr von dieser «Spielwährung» erwirbt. Problematisch ist, wenn Währungen innerhalb eines Spiels so verschleiert sind, dass nicht klar ist, was eine Goldmünze für einen realen Wert besitzt. Kinder und Jugendliche wissen oft nicht genau, wie viel Geld sie im Spiel ausgegeben haben. Erst die hohe Handyrechnung verschafft Klarheit.
  • Werbung
    Viele günstige oder kostenlose Spiele sind mit Werbung überhäuft. Immer wieder erscheinen Filmchen oder Bilder (Pop-Ups), die sich nicht wegklicken lassen. Auch (Spam-) Mails des Anbieters sind keine Seltenheit. Entweder man stört sich nicht daran und übt sich in Geduld, oder man gibt Geld für eine werbefreie Version des Spiels aus.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb eine App kostenlos ist: Nicht selten geht es darum, im Hintergrund Daten zu sammeln, sogenannte Metadaten. Für den Hersteller liefern die Nutzung der App und des Geräts, der Aufenthaltsort der Nutzenden, Adressen und Telefonnummern wertvolle Daten, die kommerziell weiterverwendet werden können.

Kaufverträge!?

Wichtig ist, dass jeder Kauf einen Kaufvertrag mit dem Anbieter beinhaltet. Unter 18 Jahren können Kinder und Jugendliche grundsätzlich keine Kaufverträge eingehen. Ausnahme bilden Käufe in Höhe des Taschengeldes oder des selbst verdienten Geldes. Mit ihrem Taschengeld können Kinder zwar Süssigkeiten am Kiosk kaufen, aber beispielweise keinen Computer. Für Käufe auf Raten, Abos oder Kredite benötigen Kinder unter 18 in jedem Fall die Zustimmung der Eltern. Entsteht durch die Nutzung einer oder verschiedener Apps eine Handyrechnung von mehreren hundert Franken, können die Eltern dagegen vorgehen, wenn sie dem Kauf nicht zugestimmt haben.

Nach Erhalt der Rechnung müssen sich die Eltern umgehend an den Telefonanbieter wenden, um die Rechnung anzufechten. Schweizer Telefonanbieter zeigen sich teilweise, doch leider nicht immer, kulant. Unter anderem ist das abhängig davon, ob ein Abovertrag auf den Namen der Eltern oder des Kindes ausgestellt ist. Eltern können geltend machen, dass die Käufe ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung zustande gekommen sind und sie den Betrag dieser Käufe bestreiten. Damit die Dienste nicht eingestellt werden, muss der Grundbetrag des Abos trotzdem fristgerecht bezahlt werden. Falls der Telefonanbieter nicht einwilligt und den Betrag oder einen Teil davon nicht zurückerstattet, kann man sich auch an die Schlichtungsstelle der Telekombranche www.ombudscom.ch wenden. Um sich vor den Folgen solchen Kostenfallen zu schützen, sollten Eltern mit dem Kind Massnahmen festlegen. Dazu gehört auch, dass Kinder Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und sich an der Lösung des Problems beteiligen.

Tipps

  • Hinterlegen Sie weder bei Google-Play noch im Apple-Store eine Kreditkartennummer, vor allem nicht, wenn Kinder auf diese Konten (z. B. auf dem Familientablet) Zugang haben.
  • Deaktivieren Sie die Funktion «InApp-Käufe» oder sichern Sie den Bereich mit einem Pin.
  • Geben Sie Ihrem Kind keine Konto- und Logindaten Ihrer Accounts. Wählen Sie andere Möglichkeiten, wie Prepaid-Karten, um den Kauf von Inhalten in Apps zu bezahlen.
  • Richten Sie beim Telefonanbieter eine Kostenlimite ein.
  • Behalten Sie selber die Kostenübersicht und zeigen Sie Ihrem Kind Wege auf, wie es die Übersicht über die Kosten behalten kann. Erstellen Sie beispielsweise auf Papier oder auf dem Computer eine Ausgabenübersicht.
  • Technische Einschränkungen helfen nicht immer. Vorsorgende Gespräche mit Ihrem Kind und eine begleitende Unterstützung bei der Nutzung der digitalen Medien bringen längerfristig mehr, auch in Bezug auf Handykosten.
Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei der Pro Juventute für den Themenbereich Finanzkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachpersonen rund um die Themen Geld und Konsum. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

Hat Ihnen der Artikel weitergeholfen?

1
0