Kinder haben Rechte

Am 20. November 1989 wurde die UNO-Kinderrechtskonvention verabschiedet, die 1997 auch von der Schweiz unterzeichnet wurde. Seither ist sie verpflichtet, die Umsetzung der Kinderrechte zu garantieren. Doch das ist gar nicht so einfach…

In der Einleitung der UNO-Kinderrechtskonvention steht, dass «das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen sollte». Doch wer definiert Glück? Kann Zuneigung angeordnet werden? Können Eltern gezwungen werden, ihr Kind zu lieben? Glück, Liebe und Verständnis sind unverzichtbar für ein Kind, können aber weder gemessen, noch als Rechte eingefordert werden. Die in der UNO-Kinderrechtskonvention enthaltenen Rechte sind in der Absicht festgehalten, die bestmöglichen Grundlagen zu schaffen, damit sich Kinder vollumfänglich und ihren Bedürfnissen entsprechend entwickeln können.

Kinderrechte kennen und verstehen

Kinder haben also das Recht auf die bestmögliche Entwicklung. Kinder haben das Recht, dass ihre Privatsphäre und ihre Würde geachtet werden. Kinder haben das Recht auf Spiel und Freizeit. Kinder haben das Recht auf besondere Fürsorge und Förderung bei Behinderung. In 54 Artikeln werden in der UNO-Kinderrechtskonvention die Rechte der Kinder definiert, doch wie deren Umsetzung im Alltag aussehen könnte und sollte, ist oft nicht einfach zu verstehen. Viele Institutionen haben sich dem Thema gewidmet. Kinderschutz Schweiz befasst sich eingehend damit und hat in den Pro Juventute Elternbriefen in sechs Beiträgen die Grundlagen der Kinderrechte, sowie spezifische Umsetzungsmöglichkeiten durch praxisnahe Beispiele verständlich erklärt.

Zum Beispiel: Kinder haben das Recht auf die bestmögliche Entwicklung, aber wie sieht diese aus? Entwicklung ist in der UNO-Kinderrechtskonvention als Prozess definiert, der zum Ziel hat, alle anderen Rechte der Kinderrechtskonvention zu verwirklichen. Demzufolge geht Entwicklung weit über das Überleben hinaus und umfasst die Persönlichkeit, die Begabungen, die seelischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes sowie sein materielles Wohlbefinden. Eltern kommt die wichtige Rolle zu, die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich zu unterstützen. Wie das konkret im Alltag aussieht, kann jedoch nicht allgemeingültig definiert werden.

Die acht Monate alte Lara liebt es im Wasser zu sein. Jedes Mal, wenn sie gebadet wird, drückt sie ihre Freude durch Jauchzen und Lachen aus. Gerne würden die Eltern mit ihr einen Babyschwimmkurs besuchen. Doch die regionalen Kurse sind teuer und die Termine passen nicht mit dem Familienplan überein. Laras Eltern besorgen ein kleines Planschbecken und beschliessen, regelmässig mit ihrer Tochter ins Schwimmbad zu gehen.

Angebote wie Babyschwimmen zu nutzen, ist keine Voraussetzung, die für eine bestmögliche Entwicklung notwendig ist. Ein Kind braucht aber Eltern oder Bezugspersonen, die es in seiner Individualität wahrnehmen und merken, wenn ihm etwas besonders entspricht.


So erklären Kinder Kinderrechte – Ein Video, das im Rahmen eines Ferienplausch-Workshops von Pro Juventute entstanden ist.

Kindeswohl ist die Umsetzung aller Kinderrechte

Wenn Kinder alle festgehaltenen Rechte geniessen, dann spricht man vom Überbegriff «Kindeswohl». Sich am Kindeswohl zu orientieren, bedeutet unter anderem, die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Das kann beispielsweise bedeuten:

Die zwei Monate alte Elisa liegt in ihrem Bettchen und weint seit geraumer Zeit. Ihre Mutter ist mit dem dreijährigen Leo am Kuchen backen. Zuvor hat sie Elisa gestillt und ihr die Windeln gewechselt. Leo möchte die Zutaten unbedingt selber verrühren, braucht aber Hilfe. Nun wartet er ungeduldig, weil sich seine Mutter zwischendurch um Elisa kümmert und sie aufnimmt. Während die Mutter und Leo gemeinsam weitermachen, bleibt Elisa auf dem mütterlichen Arm. Das Baby scheint ein Bedürfnis nach Nähe verspürt zu haben – innert weniger Minuten ist es ruhig und zufrieden.

Viele Kinderrechte werden von Eltern und anderen Bezugspersonen intuitiv umgesetzt, andere lohnt es sich zu kennen und zu verstehen, um sie auch aktiv fördern zu können. Wer sich auf spielerische Weise mit den Rechten der Kinder auseinandersetzen möchte, kann das Kinderrechtsspiel herunterladen.

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