Faszination Computerspiele – Tipps für Eltern

Faszination Computerspiele

Kennen Sie den Begriff «Homo ludens»? Der spielende Mensch. Spielen war schon immer eine wichtige Aktivität des Menschen. Sowohl bei Kindern, die im Spiel die Welt entdecken, als auch bei Erwachsenen, bei denen das Spiel Kreativität, Energie und Kraft freisetzt. Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass für viele das Gamen eine grosse Faszination hat.

Es gibt verschiedene Faktoren, die es attraktiv machen, in ein Game einzutauchen. Computerspiele können beispielsweise Spannung und Entspannung erzeugen oder reale Frusterlebnisse kompensieren. Die Spielindustrie baut diese Faktoren geschickt in ein Spiel ein, damit die Spielerin oder der Spieler möglichst lange am Spiel dranbleibt. Einige dieser Faktoren sind für Kinder und Jugendliche auch deshalb interessant, weil sie deren spezifische Entwicklungsaufgaben abdecken, wie beispielsweise (Geschlechter-)Rollen ausprobieren, Räume erschliessen oder soziale Kooperationen eingehen.

Im Pro Juventute Magazin finden Sie eine ganze Themenreihe «Welt der Games». In diversen Beiträgen werden verschiedene Aspekte wie Chancen, Risiken und Faszination rund um digitale Spiele beleuchtet. Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit digitalen Spielen werden im Beitrag «12 Tipps für Erwachsene rund ums Gamen» vermittelt.

Was macht Games so attraktiv?

Die folgende Aufzählung beleuchtet Faktoren, die das Spielen am Computer, am Handy oder an Konsolen so erfolgreich machen. Viele dieser Faktoren sind auch in den traditionellen Spielen, also in analogen Brett-, Karten-, Rollen- und Würfelspielen anzutreffen.

Spass: In erster Linie macht es einfach Spass, ein digitales Spiel zu spielen. Die meisten Spiele sind als Unterhaltung gedacht und werden auch als Unterhaltungsmedium genutzt.

Interaktivität: Bei einem Spiel kann man sich, im Gegensatz zu einem Buch oder Film, selber aktiv einbringen. Man kann in Geschichten, in den Verlauf des Geschehens oder gar in die Gestaltung der Spielwelt eingreifen und Einfluss nehmen.

Neue Rollen und Handlungen ausprobieren: In Computerspielen kann man virtuelle Handlungen vornehmen, die im Alltag nicht möglich oder vielleicht sogar verboten sind. Beispielsweise als Junge ein Mädchen sein oder als schüchternes Mädchen einen bösen Gangster spielen. Oder mit 13 Jahren schon Auto fahren. Einmal ein Flugzeug steuern oder eine Mannschaft zum Champions-League-Titel führen, ist nicht nur für Kinder und Jugendliche ein Wunschtraum. Games bieten die Möglichkeit, genau dies ohne Risiko zu versuchen oder gar zu verwirklichen. In Games kann man Dinge tun, bei welchen man im richtigen Leben eine Rüge der Eltern erhält oder gar ein Gesetz brechen würde. In einem Spiel kann man bis zu einem gewissen Grad ausprobieren, welche Wirkung dies auf einen selbst hat. Jugendliche entwickeln in der Pubertät ihre Identität und möchten verschiedene Dinge testen. Games bieten dafür einen geschützten Rahmen. Dazu gehört der Umgang mit anstössigen Inhalten, wie beispielsweise Waffen oder Sexualität. Gerade die Faszination von Waffen und Gewalt kann, vor allem bei Spielern, ein wesentlicher Motivationsgrund sein.

Fantastische Welten: Der Alltag ist manchmal langweilig und grau. Games bieten Abwechslung und geben einem das Gefühl, in neue und magische Welten einzutauchen. Es kann attraktiv sein, diese Welten zu entdecken und sich darin zu bewegen. Diese Motivation ist gerade bei Kindern und Jugendlichen hoch, da es eine wesentliche Entwicklungsaufgabe ist, sich Räume anzueignen und diese mit der eigenen Präsenz zu beeinflussen. Im Alltag kann das schwierig und anstrengend sein, im Spiel jedoch gibt es Platz für alle. Das Durchleben von Geschichten, das Finden von Schätzen, das Weiterentwickeln des eigenen Avatars, das Bestreiten von Herausforderungen, oft zusammen mit anderen Mitspielenden, sind elementare Aspekte beim Eintauchen in die digitale Spielwelt. Ob nun als Raumfahrende durch die Galaxie gereist wird oder als Heldengruppe alte Verliese mit Drachen erkundet werden, ist jeder und jedem selber überlassen (siehe dazu den Artikel «Welt der Games: Chancen von Computerspielen»).

Herausforderung und Belohnung: Es ist der Wunsch vieler, erfolgreich zu sein. Spiele sind so aufgebaut, dass die Spielerin oder der Spieler immer wieder Erfolgserlebnisse hat. Denn wer nur immer verliert, würde das Spiel bald nicht mehr spielen. Oft kann in Games die Schwierigkeitsstufe eingestellt werden, womit auch Anfängerinnen und Anfänger Erfolgserlebnisse haben. Je mehr man das Spiel spielt, desto besser wird man und desto mehr Punkte oder Auszeichnungen erhält man. So besteht die Möglichkeit, dass man auf einer Gesamtrangliste immer höher steigt. Erfolge haben, gewinnen und besser werden sind also zentrale Elemente für das Gamen.

Zugehörigkeit: Die meisten Menschen spielen gerne mal ein Spiel. Sei es einen Jass mit Kolleginnen und Kollegen oder ein kleines Spiel auf dem Smartphone. Wenn nun, dank des Internets, die Freunde auch noch mitspielen können und man Punktzahlen vergleichen oder sich duellieren kann, ist auch die soziale Komponente mitgegeben. Durch Spiele können Kontakte geknüpft werden, was wiederum gemeinsames Spielen förder. Man fühlt sich vielleicht sogar einer Szene zugehörig und kann auf dem Pausenhof mitreden. Kennt man sich gut mit einem Spiel aus, wird man in der Gruppe der Spielenden respektiert.

Langeweile überbrücken: Mobile Geräte machen es möglich, dass fast jederzeit und überall gespielt werden kann. So wird oft sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen nur aus Langeweile gespielt.

Tipps für Eltern

  • Versuchen Sie dem Gamen grundsätzlich eine positive Einstellung entgegenzubringen. Zeigen Sie Interesse am Spiel und lassen Sie sich von Ihrem Kind die Welt der Games zeigen.
  • Thematisieren Sie heikle Inhalte zusammen mit Ihrem Kind. Gemeinsam können Sie kritische Inhalte oder Risiken bei Games hinterfragen. Wägen Sie ab, ob ein Spiel für Ihr Kind geeignet ist oder nicht.
  • Informieren Sie sich über das Game. Die Beschreibung auf einer Verpackung bietet bereits einige Informationen über den Inhalt eines Games. Auf YouTube können Sie beispielsweise mit dem Stichwort «How to play (Spieltitel)» ein Spiel suchen und mehr darüber erfahren.
  • Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit digitalen Spielen finden Sie im Beitrag «12 Tipps für Erwachsene rund ums Gamen».

Die Themenreihe «Welt der Games» entstand in enger Zusammenarbeit mit Simon Staudenmann und Renato Hüppi von Gameinfo.

Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei Pro Juventute für den Themenbereich Medienkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche und Eltern rund ums Thema digitale Medien. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

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