Fake-News und warum Jugendliche sie erkennen müssen

Fake-News und warum Jugendliche sie erkennen müssen

Donald-Trump lässt Soldaten mit eigenem Flugzeug zurückholen. Fake! Flüchtlinge in Xx machen yx. Fake! Der Begriff Fake-News ist aktuell in aller Munde und zu einem der neuen Schlagworte in der Diskussion um die Förderung der Medienkompetenz geworden.

Populär wurde das Thema während der jüngsten Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl in den USA im Herbst 2016 und dem anhaltend schwierigen Verhältnis des aktuellen Präsidenten zu den Medien. Aber auch in Europa verbreiten populistische Bewegungen erfundene News, um die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Fake News hat es aber schon immer gegeben. Bereits zu  Zeiten der Reformation (ca. 1500) und während der französischen Revolution (um 1800) wurden unzählige Flugblätter und kleine Büchlein mit Diffamierungen der politischen Gegner gedruckt und verteilt, um die Meinung der Bürger zu manipulieren.

Auch heute werden besonders in den USA politische Werbespots produziert – sogenannte attack ads – um den Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken. Darum propagierte das Lager des zukünftigen Präsidenten Lyndon B. Johnson in einem Spot von 1964, dass die Politik seines Konkurrenten Barry Goldwater zum Atomkrieg führen wird.

Hillary Clinton hat die Hauptdarstellerin aus diesem Spot 52 Jahre später interviewt und daraus einen Attack-Clip gemacht, in dem wiederum Donald Trump unterstellt wird, die Welt in den Atomkrieg zu führen

Aber auch das Trump-Lager hat zahlreiche Attacken-Spots gegen Clinton lanciert, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der NRA (National Rifle Association)

Der politische Ton ist harsch und bei solchen Spots ist der Sprung zu Fake-News, wenn überhaupt, nicht mehr weit. Aber man erkennt diese Spots klar als politische Werbung und dass in der Politik und in der Werbung gerne einmal übertrieben wird, ist man sich gewohnt.

Was wir über die Welt wissen kommt aus den Medien

Etwas anders ist das bei Zeitungen und News-Seiten. Hier erwartet der Konsument eine wahrheitsgetreue Berichterstattung und Fake-News stossen rundum auf Kritik – aber warum? Ganz einfach: Die meisten von uns haben noch nie mit einem Parteipräsidenten gesprochen. Wir besuchen keine Krisengebiete um uns vor Ort einen Eindruck der Lage zu verschaffen und mit CEOs von grossen Unternehmen und Wissenschaftlern verbringen wir auch eher selten Zeit. Trotzdem brauchen wir Informationen über die Politik, laufende Konflikte, die Wirtschaft und die Wissenschaft. Daraus ziehen wir nämlich unser Bild über die Welt, über die aktuellen Probleme und die mögliche Lösungen dafür – und darum wollen wir verlässliche News und keine Fake-News.

Etablierte Nachrichtkanäle beschäftigen gut ausgebildete und erfahrene Journalisten. Sie überprüfen Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt, ihre Richtigkeit und ihre Relevanz. Wer diesen Profis eine Fake-Geschichte auftischen will, fliegt meistens auf. Das wissen wir Konsumenten und so haben bereits Jugendlichen (16-25 Jahre) das grösste Vertrauen in die politsche Berichterstattung von SRF, NZZ und Tagesanzeiger . Weil sich über diese etablierten Kanäle keine Fake-News verbreiten lassen, weichen die Produzenten von Fake-News auf das Internet aus. Mit wenig Aufwand können sie dort News-Seiten im professionellem Design erstellen und ihre Geschichten als vermeintlich echte News verbreiten.

Fake-News werden aber nicht mehr nur mit politischen Absichten produziert, bei vielen geht es einfach nur ums Geld. Wer genügen Besucher auf seine Fake-News-Seite lockt, kann nämlich eine Menge Geld mit Werbung verdienen. Wie das am besten geht, haben die Faker auch herausgefunden. Dummerweise haben wir Nachrichtenkonsumenten nämlich die Tendenz, vor allem jene Artikel zu lesen, die unserer Meinung entsprechen (Wissenschaftliche Erklärung auf Englisch). Darum machen die Faker in einschlägigen politischen Facebook-Gruppen Werbung für ihre Artikel. Passt der Artikel ins Weltbild der Gruppenmitglieder, stehen die Chancen gut, dass sich viele für den Artikel interessieren. Deutet man dazu noch unglaublich skandalöses und verwerfliches Verhalten des gegnerischen Lagers an, sind einem die Klicks so gut wie sicher.

Ok, ich habs gecheckt – da kann es mir ja egal sein, wenn andere auf Fake-News hereinfallen, oder?

Leider nicht. Denn Fake-News zielen mit ihren sensationellen Botschaften darauf ab, Emotionen und Konflikte zu schüren, weil sich nur mit solch alarmistischen Schlagzeilen möglichst viele Klicks generieren lassen. Wer aber den Fake-News glaubt, trägt diese Emotionen und Konflikte in unseren Alltag und unsere Politik. Behörden und Medien müssen dabei oft grosse Anstrengungen unternehmen, um die falschen Behauptungen wieder richtig zu stellen – das macht z.B. der Faktenfinder der ARD. Die falschen Informationen der Faker spalten die Gesellschaft unnötig und lassen die politische Diskussion verrohen. Dabei brauchen wir gerade in unserer komplexen Welt sachliche und richtige Informationen um gemeinsam die besten politischen Lösungen zu finden. Im Lehrplan 21 Medien und Informatik heisst es dazu, dass Schülerinnen und Schüler die Funktion der Medien für die Politik kennen sollen und beschreiben können, wie gut einzelne Medien diese Funktion erfüllen.  Medienkompetente Jugendliche müssen also verstehen, dass News in erster Linie Information sind auf Grund derer wir unser Weltbild formen und unsere (politischen) Entscheidungen fällen und dass dafür nicht alle Medienangebote gleichermassen geeignet sind.

Spannende Artikel zum Thema: Diese Webseite verbreitet Fake-Zitate auf Facebook  und überholt damit echte Nachrichten.

Jugend und Medien: Von Fake News, Filter Bubbles und falschen Profilen

Dr. Martin Hermida

Dr. Martin Hermida

Leiter Studiengang Fachdidaktik Medien und Informatik, PH Schwyz

Dr. Martin Hermida forscht am Institut für Medien und Schule an der Pädagogischen Hochschule Schwyz, wo er auch in der Aus- und Weiterbildung als Dozent tätig ist. Er leitet dort den Masterstudiengangs Fachdidaktik Medien und Informatik. Seine Hauptgebiete sind Medienkompetenz, Medieneffekte, Medienbildung und Mediendidaktik. Daneben gibt er Weiterbildungen an der Universität Zürich und berät Behörden, Firmen und Gemeinnützige Organisationen zu den Themen Mediennutzung von Jugendlichen und Jugendmedienschutz.

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