Computerspiele: Was und wie Kinder und Jugendliche spielen

Computerspiele: Was und wie Kinder und Jugendliche spielen

Zum Zeitvertreib hat der Mensch schon immer gespielt, doch in den letzten Jahren hat sich das Spielen verändert. Mittlerweile werden in allen Bildungsschichten und über alle Altersstufen hinweg vor allem digitale Spiele gespielt. Mit Games werden lukrative Geschäfte gemacht und der Spielsport boomt. Weil die Welt der digitalen Spiele so rasant wächst, ist es schwierig, einen Überblick zu bewahren. Um das Spielverhalten von Jugendlichen besser zu verstehen, ist es hilfreich, gewisse Mechanismen zu kennen.

Wer spielt Computerspiele?

73 Prozent der Jungen und 43 Prozent der Mädchen spielen täglich oder mehrmals pro Woche digitale Spiele (Quelle: JIM-Studie 2018, siehe untenstehende Grafik). Nach Alter aufgeschlüsselt fällt auf, dass mit dem Fortschreiten der Pubertät die Konsumzeiten abnehmen – trotzdem wird auch im Alter von 18 Jahren noch viel gespielt. Dabei wird ausser Acht gelassen, dass digitale Spiele grösstenteils auf Erwachsene zugeschnitten sind.

James-Studie-2018

Auffallend ist, dass bei der Nutzung von Computerspielen kein gewichtiger Unterschied zwischen Real- oder Gymnasialschülerinnen und -schülern besteht. Quer durch alle Bildungsschichten wird gespielt. Es gibt aber Anhaltspunkte dafür, dass sich die Komplexität der gespielten Games proportional zum Bildungsstand verhält. Deutlich wird: Fast alle Kinder und Jugendlichen spielen elektronische Spiele! Sie finden immer Möglichkeiten zum Gamen, auch wenn es zu Hause nicht erlaubt ist.

Zu Fragen rund um Jugend und Medien in der Schweiz veröffentlicht die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Kooperation mit der Swisscom jedes zweite Jahr die JAMES-Studie.

Im Pro Juventute Magazin finden Sie eine ganze Themenreihe «Welt der Games». In diversen Beiträgen werden verschiedene Aspekte wie Chancen, Risiken und Faszination rund um digitale Spiele beleuchtet. Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit digitalen Spielen werden im Beitrag «12 Tipps für Erwachsene rund ums Gamen» vermittelt.

Im Weiteren untersucht die MIKE-Studie das Mediennutzungsverhalten von in der Schweiz lebenden Kindern im Primarschulalter. Die vom deutschen Medienpädagogischen Forschungsbund Südwest erstellte KIM- beziehungsweise JIM-Studie zeigt einige interessanten Zahlen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, welche unter Vorbehalt auch für die Schweiz gelten.

Games: eine Randerscheinung?

Längst hat die Spieleindustrie die Traumfabrik Hollywood in Sachen Umsatz überholt. Eine junge Industrie, die jedes Jahr mit noch grösseren, teureren Produktionen und steigendem Umsatz auftrumpft. So hat beispielsweise der finanziell erfolgreichste Film «Avatar» bisher 3 Milliarden US-Dollar eingespielt. Gekostet hat er 237 Millionen Dollar. Der teuerste Film war mit 341 Millionen Dollar «Fluch der Karibik 3». Im Vergleich dazu: Das bis jetzt teuerste Game «Destiny» kostete 500 Millionen Dollar – davon allein 200 Millionen Dollar Marketingkosten. Bereits in der ersten Woche haben die Verkäufe des Games diesen immensen Betrag wieder eingebracht. Das Spiel «World of Warcraft» (WoW) hat seit seiner Veröffentlichung 2004 bereits über 10 Milliarden Dollar eingespielt.

Die Spieleindustrie wächst weiter

Vor einigen Jahren war es üblich, dass sich die Spielehersteller an erfolgreichen Filmen orientierten und im Nachhinein ein Game dazu entwickelten. Heute kommt die Inspiration für einen Film oft von der anderen Seite und es sind erfolgreiche Spiele, die verfilmt werden. Inzwischen sind selbst Games häufig mit Stars besetzt: Berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler leihen den Computerspielfiguren ihre Mimik, Gestik und Stimme. Manchmal wird der ganze Körper einer Schauspielerin oder eines Schauspielers eingescannt und ihr bzw. sein digitales Abbild als Spielcharakter verwendet. Ein gutes Beispiel dafür ist die Darstellung des Oscar-Preisträgers Kevin Spacey in Call of Duty. Die Grenzen zwischen Film und Game vermischen sich zunehmend und die Gameindustrie ist so erfolgreich wie nie zuvor.

Der Spielsport ist mittlerweile nicht nur ein Hobby: An internationalen Spielturnieren mit mehreren Millionen US-Dollar Preisgeld messen sich die besten der professionellen Spielerinnen und Spieler. Ihr Einkommen generieren sie durch Preisgelder sowie Sponsoring-Einnahmen und sie führen ein Leben wie Profisportlerinnen und -sportler. Mit Tausenden von Zuschauenden bei (Online-)Turnieren lohnt es sich, auch in diesem Bereich Marketing zu betreiben. In der Schweiz gibt es erst wenige professionelle Spielerinnen und Spieler.

Welche Spiele werden gespielt?

In der JAMES-Studie 2018 wurden Schweizer Jugendliche befragt, welche Games sie aktuell spielen. Es zeigt sich, dass seit Jahren der Ego-Shooter «Call of Duty» (COD), das Fussballspiel «FIFA» und das Gangsterspiel «Grand Theft Auto» (GTA) zu den beliebtesten Gameserien gehören. Auch das digitale Bauklotzspiel «Minecraft» steht weiterhin hoch im Kurs. Gemäss Angaben der Jugendlichen wird nur «Fortnite» öfters gespielt.

Welche Spiele werden am Häufigsten gespielt

Bei Kindern, die in der MIKE-Studie befragt wurden, sind «FIFA» und «Minecraft» am beliebtesten. Dabei ist zu beachten, dass zum Befragungszeitpunkt der aktuellen MIKE-Studie «Fortnite» noch nicht veröffentlicht war. Erstaunlich ist, dass viele Schülerinnen und Schüler der Primarstufe die Spiele «Grand Theft Auto» und «Call of Duty» spielen. Diese Spiele werden vom PEGI-Jugendschutz jedoch erst ab 18 Jahren empfohlen. Mehr Informationen dazu finden Sie im Artikel «Jugendschutz-Richtlinien bei Games».

Tipps für Eltern

  • Games gehören zur Jugendkultur. Versuchen Sie dem Gamen grundsätzlich eine positive Einstellung entgegenzubringen. Zeigen Sie Interesse am Spiel und lassen Sie sich von Ihrem Kind die Welt der Games zeigen.
  • Thematisieren Sie heikle Inhalte zusammen mit Ihrem Kind. Gemeinsam können Sie kritische Inhalte oder Risiken bei Games hinterfragen. Wägen Sie ab, ob ein Spiel für Ihr Kind geeignet ist oder nicht.
  • Gestalten Sie das Gamen mit dem Kind so, dass Sie immer wieder einen Blick auf den Bildschirm werfen können.
  • Informieren Sie sich über das Game. Die Beschreibung auf einer Verpackung bietet bereits einige Informationen über den Inhalt eines Games. Auf YouTube können Sie beispielsweise mit dem Stichwort «How to play (Spieltitel)» ein Spiel suchen und mehr darüber erfahren.
  • Nehmen Sie Ihre Vorbildrolle ernst. Wenn Sie permanent selbst am Handy spielen oder vor dem Bildschirm sitzen, ist es für das Kind nicht nachvollziehbar, wenn Sie dessen Konsum kritisieren und einschränken möchten.
  • Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit digitalen Spielen finden Sie im Beitrag «12 Tipps für Erwachsene rund ums Gamen».

Die Themenreihe «Welt der Games» entstand in enger Zusammenarbeit mit Simon Staudenmann und Renato Hüppi von Gameinfo.

Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei Pro Juventute für den Themenbereich Medienkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche und Eltern rund ums Thema digitale Medien. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

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