Bezahl-Apps sind bei jugendlichen sehr im Trend

Die Bezahl-App macht es möglich

Ihr Smartphone haben Jugendliche immer dabei, nicht aber ihr Portemonnaie. Deswegen ist es nur folgerichtig, dass sich mobile Bezahl-Apps wie Twint gerade bei dieser Zielgruppe grosser Beliebtheit erfreuen und nun – mit etwas Verspätung – ihren Siegeszug antreten.

Ob in Restaurants, in einem Onlineshop oder zwischen Kolleginnen und Kollegen: Mit einer Bezahl-App ist Geldüberweisen ein Kinderspiel. Gerade unter Jugendlichen gewinnen Bezahl-Apps mehr und mehr an Beliebtheit. Logisch, da man zum digitalen Geld überweisen oder bezahlen keine Kreditkarte, kein Login-Kästli oder sonstige Tools braucht, sondern nur noch die App. In der Schweiz ist es die App «Twint», welche sich in dem Bereich durchgesetzt hat. Zuerst erstellt man ein Profil, welches mit wenigen Klicks an ein persönliches Bankkonto gekoppelt wird. Und schon lassen sich Geldbeträge an andere Twint-Nutzerinnen und -Nutzer – also beispielsweise von Smartphone zu Smartphone – überweisen. «Twinten» heisst der Vorgang in der Alltagssprache. Die Bezahlart wird von Zehntausenden Läden und Shops akzeptiert, mittlerweile bieten zahlreiche Schweizer Banken den mobilen Zahlungsverkehr an («Schweizer Jugend twintet», Aargauer Zeitung, 12.1.2019). Um eine Zahlung auszulösen, reicht es oft schon, am eigenen Smartphone die Kamera zu aktivieren, den QR-Code zu scannen und die Angaben per Klick zu bestätigen. Ein persönlicher Code oder eine Touch ID machen den Zugriff auf die App möglich und sicherer.

Kauft Ihr Kind bald ein Auto?

Die Anforderungen an Jugendliche und junge Erwachsene sind gestiegen, die Konsumwelt wird immer komplexer. Es ist heute möglich, 24 Stunden an 7 Tagen die Woche Geld auszugeben, ohne das eigene Portemonnaie je zu zücken. Angesichts der verschiedenen digitalen Bezahlmöglichkeiten kann man rasch einmal den Überblick verlieren. Durch Apps wie Twint entfällt auch die Hürde, eine eigene Kreditkarte besitzen zu müssen.

Den Risiken und dem unkontrollierten Konsum wird durch Twint selbst wie folgt begegnet: Erst einmal müssen die Twint-Nutzerin oder der Twint-Nutzer über ein auf den eigenen Namen lautendes Konto verfügen. Alternativ dazu kann auf eine Kredit- oder eine Prepaidkarte gewechselt werden. Sollte die Zahlung über eine Prepaidkarte erfolgen, gibt es monatliche Limiten. Diese liegen bei 12- bis 14-Jährigen bei CHF 100, bei 15- bis 17-Jährigen bei CHF 500. Die Limiten werden erhöht, wenn die Zahlungen direkt über ein Konto erfolgen. Dort variiert der Betrag je nach Bankinstitut. Normalerweise entsprechen die Limiten dem maximal möglichen Bezug pro Monat, welcher bei einem Jugendkonto tiefer ist als bei einem Privatkonto für Erwachsene. Selbstverständlich können alle Limiten erhöht werden. Falls Ihr minderjähriges Kind twintet, verfügen Sie als Erziehungsberechtigte jedoch über eine Vollmacht auf das Bankkonto und können so auch bei den verfügbaren Limiten mitreden.

Zugegeben: Je weniger greifbar der Weg des Geldes wird, desto wichtiger ist es für Sie als Eltern, mit Ihrem Kind früh und altersgerecht über Themen wie Konsum, Geld oder Werbung zu sprechen. Bei der Entwicklung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Geld bei Jugendlichen kann der Jugendlohn® weiterhelfen.

Selbstverantwortung bei Jugendlichen fördern

Beim Jugendlohn® handelt es sich um ein Erziehungsmodell des Psychologen und Familientherapeuten Urs Abt, bei welchem Jugendliche die Verantwortung für wichtige Teile ihrer Lebenskosten und Lebensgestaltung übernehmen. Bereits mit zwölf Jahren (gem. einer Empfehlung) erhalten Kinder und Jugendliche einen monatlichen Betrag der Eltern, mit dem sie gewisse Lebenskosten (z.B. Kleider, Coiffeur, Hobbys, Abo etc.) selbstständig bestreiten. Ziel ist, dass die Jugendlichen damit beginnen, die Ausgaben zu vergleichen, abzuwägen, und so ein Bewusstsein für eigenes Geld und für Preise entwickeln.

Wie eine Studie zeigt, führt das Erziehungsmodell zur Entlastung der Eltern, zur Entspannung der teils komplexen Beziehung während der Pubertät und ganz allgemein zu mehr Selbstverantwortung (Presseportal Schweiz, Umsetzung Jugendlohn®, 20.3.2018). Gerade diese Selbstverantwortung ist essentiell, wenn Käufe innerhalb von Sekunden ohne Anwesenheit oder Erlaubnis der Erziehungsberechtigten möglich sind.

Geldausgeben will gelernt sein

Ein wichtiger Aspekt im Umgang mit Geld ist, planen und einteilen zu können. Dies lässt sich besser üben, wenn Jugendliche einen monatlichen Betrag erhalten, als wenn sie nach Lust und Laune bei den Eltern um Geld fragen können. Das könnte mit Twint wie folgt aussehen: Sie zahlen zu Beginn jedes Monats den vereinbarten Betrag auf das Jugendkonto Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes ein, welcher ihr oder ihm zur freien Verfügung steht – also auch dafür, um zu twinten.

Tipps und Tricks für den Umgang mit Ausgaben

  • Sie können gemeinsam mit Ihrem Kind eine Limite festlegen, bis zu welcher Ihr Kind selbst Kaufentscheidungen treffen kann. Vereinbaren Sie, dass Sie sich bei höheren Beträgen nochmals zusammensetzen und Sie dem Kind als Beraterin bzw. Berater zur Seite stehen.
  • Gerade während der ersten Monate mit einem Jugendlohn® kann es wichtig sein, sich die laufenden Ausgaben aufzuschreiben. So beginnt Ihr Kind zu verstehen, wie es seinen Finanzhaushalt optimieren kann und dass es auf grössere Anschaffungen sparen und allenfalls auf gewisse Dinge verzichten muss.
  • Diskutieren Sie mit Ihrem Kind ab und zu die (Kauf-)Versuchungen der vergangenen Tage. Was gibt es für Pros und Kontras? Vergessen Sie dabei nicht, dass Fehler auch zum Lernprozess gehören.

Das Wichtigste in Kürze

  • Twint ist eine mobile Bezahlmethode, mit welcher Beträge direkt an bzw. von Kolleginnen und Kollegen via Smartphone erstattet oder von diesen eingefordert werden können.
  • Mittlerweile bieten zahlreiche Schweizer Finanzinstitute eigene Twint-Lösungen an. Diese funktionieren auch ohne Kredit- oder Prepaidkarten direkt über das eigene Konto.
  • In Tausenden Onlineshops, Geschäften, Kiosks und Restaurants können sie schnell und bargeldlos bezahlen – Tendenz steigend.
  • Bei Jugendlichen erfreut sich Twint grosser Beliebtheit. Dies ist vor allem auf die Geschwindigkeit der mobilen Bezahlvariante und das Wegfallen der Kreditkarten zurückzuführen.
  • Bei der Vermittlung nötiger Finanzkompetenz kann der Jugendlohn® Unterstützung bieten.
  • Studien stützen die Tatsache, dass der Jugendlohn® zu mehr Verantwortung und Selbstständigkeit von Jugendlichen beiträgt.

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Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei der Pro Juventute für den Themenbereich Finanzkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachpersonen rund um die Themen Geld und Konsum. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

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