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Bargeld ist für Kinder fassbarer

Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass praktisch ausschliesslich bar bezahlt und nur zu Ladenöffnungszeiten eingekauft werden konnte. Mittlerweile ist es möglich, mit Karte, Handy oder Online-Banking 24 Stunden am Tag Geld auszugeben. Eine Veränderung, die sich auch auf die Erziehung und den Umgang mit Geld auswirkt.

Wie in anderen Bereichen ist auch bei den Zahlungsmöglichkeiten die Digitalisierung in vollem Gang. Jedes Jahr entstehen neue Zahl-Apps. Um Kinder auf die verschiedenen Bezahlmöglichkeiten vorzubereiten, bieten auch Schweizer Banken Kinder-Debitkarten an. Für Kinder sind diese elektronischen Bezahlarten kaum fassbar.

Geld ist ein Tauschmittel

Für jüngere Kinder ist das Thema Geld völlig abstrakt und schwierig zu verstehen. Selbst die Erwachsenen haben nicht immer den Durchblick. Grundlegende Eigenschaften von Geld müssen Kinder erst kennenlernen. Und das tun sie vor allem durch Beobachten und Anfassen. Mit Münzen und Noten können Eltern ihrem Kind aufzeigen, dass man je nach Preis unterschiedlich viel Geld bezahlen muss. Auf diese Weise wird ersichtlich, dass Geld weggegeben wird und nicht unbegrenzt verfügbar ist. So lernen Kinder beispielsweise, dass es sich bei Geld um ein Tauschmittel handelt, für welches man im Gegenzug Waren erhält.

Geld hat einen bestimmten Wert

Dass Geld einen bestimmten Wert hat, wird ebenfalls ersichtlich. Für unterschiedlich viel Geld bekommt man entsprechend kleinere oder grössere Dinge. Beim Bezahlen mit Bargeld wird deutlich, dass Geld nicht unbegrenzt verfügbar ist. Bezahlt ein Kind mit seinem «Zweifränkler», ist die Münze nachher nicht mehr da. Wer noch Bargeld im Portemonnaie hat, kennt das Gefühl, wenn sich die 50er-Note erst in eine 20er- und dann in eine 10er-Note verwandelt. Zu erkennen, dass Geld durch Konsum schwindet, ist wichtig. Es klingt banal, doch Bargeld beeinflusst durch seine Unmittelbarkeit und Transparenz das Kaufverhalten und den Umgang mit Geld.

Geld ist nicht mehr sichtbar

Sobald mit Karten bezahlt wird, kommt die Funktion des Tauschmittels weniger stark zum Ausdruck, da nur die Ware den Besitzer wechselt, nicht aber Geld in seiner physischen Form. Die Karte sieht immer gleich aus und der Geldfluss bleibt unsichtbar. Elektronische Zahlungsmittel sind für jüngere Kinder abstrakt. Deshalb braucht es von Seiten der Erwachsenen zu diesen Zahlungsmitteln und Zahlungsvorgängen viel mehr Erklärungen.

Einkaufen mit Karte

Beim Einkaufen kommen Kinder oft das erste Mal mit Geld in Kontakt. Aus Sicht des kleinen Kindes werden im Supermarkt ganz unterschiedliche Dinge in einen Einkaufswagen gelegt. Am Schluss schiebt Mama oder Papa eine Karte in ein Gerät und danach wird alles in eine Tasche gepackt. Dass man für Esswaren echtes Geld bezahlen muss, wird nicht ersichtlich. Welche Funktion die Plastikkarte besitzt, müssen die Eltern dem Kind erst erklären.

Geld beziehen

Wenn Erwachsene am Geldautomaten stehen, sehen Kinder nur, dass eine Karte in einem Schlitz in der Wand verschwindet, Tasten gedrückt werden und anschliessend Geld herauskommt. Dass die Karte in Kombination mit einer Nummer den Zugriff auf das persönliche Bankkonto ermöglicht, bedarf einer Erklärung. Dass auf dem Konto ein begrenzter Betrag zur Verfügung steht und man dafür arbeiten muss, wissen Kinder ebenfalls nicht.

Vom Bargeld zur Kartenzahlung

Um das Prinzip der Kartenzahlung zu verstehen, braucht es eine gewisse Reife und das nötige Interesse. Daher empfiehlt es sich, jüngeren Kindern zuerst den Umgang mit Bargeld zu vermitteln. Mit älteren Kindern kann man einen Schritt weitergehen und sie das Bezahlen mit Karte erleben und üben lassen. Kinder und Jugendliche sollten gut in die elektronischen Bezahlsysteme eingeführt werden. Die Begleitung durch die Eltern ist wichtig.

Tipps für Eltern

  • Reden Sie mit Ihren Kindern über Geld. Thematisieren Sie, woher das Geld kommt und wohin es geht. Achten Sie darauf, was Ihr Kind bereits verstanden hat und was nicht.
  • Weisen Sie beim Einkaufen darauf hin, warum Sie sich für oder gegen gewisse Produkte entscheiden. Auch Ihre Überlegungen zu einem Kaufentscheid sind unsichtbar, darum braucht es dazu Erklärungen. Schauen Sie auch gemeinsam an, wie das Zahlen funktioniert.
  • Wenn Sie am Bankomaten Bargeld beziehen, erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie mit der Karte Zugang zu Ihrem persönlichen Konto erhalten und Sie nicht mehr Geld ausgeben können, als auf dem Konto ist. Wahrscheinlich ist das nicht ganz einfach nachzuvollziehen, aber wichtig, damit Ihr Kind ein besseres Verständnis für Geld bekommt.
  • Wenn Sie grundsätzlich mit Karte bezahlen, benutzen Sie bewusst auch einmal Bargeld, damit Ihr Kind sieht, dass es verschiedene Zahlungsmöglichkeiten gibt.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, eigene Erfahrungen im Umgang mit Geld zu machen. Lassen Sie auch Fehler beziehungsweise Fehlkäufe zu. Um verantwortungsbewusst mit Geld umgehen zu lernen, braucht es Zeit, Übung und gute Vorbilder. Wenn Ihr Kind Taschengeld erhält, empfiehlt es sich, den Betrag zu Beginn in bar auszubezahlen.
  • Begleiten Sie Ihr Kind beim Verwenden elektronischer Zahlungsmittel und später beim E-Banking.

Das Bilderbuch «Geld zu verkaufen!» regt an, mit Kindern über Geld zu reden. Für Kinder von vier bis acht Jahren. Erhältlich im Pro Juventute Shop.

Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei der Pro Juventute für den Themenbereich Finanzkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachpersonen rund um die Themen Geld und Konsum. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

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