Ab welchem Alter können Kinder WhatsApp nutzen? Jetzt mehr dazu erfahren.

Altersbeschränkung bei WhatsApp – Was nun?

Mit der Einführung der neuen europäischen Datenschutzverordnung hat auch WhatsApp ihre Nutzungsbedingungen angepasst. Laut dem Messaging-Dienst dürfen nur noch Jugendliche ab 16 Jahren ihre App nutzen. Was sind die Konsequenzen für Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz, die nicht dem Mindestalter entsprechen?

Alina hat mit 13 Jahren ein Smartphone von ihren Eltern erhalten. Seitdem braucht sie es, um mit ihren Freundinnen und Freunden in Kontakt zu sein und Fotos auszutauschen. Dafür nutzt sie den Messaging-Dienst von WhatsApp. Über WhatsApp organisiert sich auch der Volleyballclub, in dem Alina Mitglied ist. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie Regeln vereinbart, die sie beim Nutzen des Smartphones einhalten muss.

WhatsApp erst ab 16 Jahren

Mit der notwendigen Softwareaktualisierung der App wurde Alina aufgefordert zu bestätigen, dass sie 16 Jahre alt ist. Der Hinweis in der App war eindeutig: Unter 16 Jahre darf sie WhatsApp nicht mehr nutzen. Alina fühlte sich in der Klemme. Eigentlich wollte sie nicht lügen. Andererseits haben ihr die Eltern erlaubt, diesen Dienst zu nutzen. Viele ihrer Freundinnen und Freunde gaben einfach an, bereits 16 Jahre alt zu sein und schafften so das Problem aus der Welt.

Kostenlos – zu welchem Preis?

Der Messaging-Dienst WhatsApp gehört laut der aktuellen JAMES Studie zu den meistgenutzten Online-Diensten (95%) bei Jugendlichen in der Schweiz. WhatsApp ist einfach bedienbar und kostenlos. Zwar bezahlt man als Userin und User kein Geld für den Dienst, profitabel ist die App aber trotzdem. Denn die persönlichen Daten aller Nutzerinnen und Nutzer bedeuten für das Unternehmen bares Geld. Die Daten geben viel preis und ermöglichen personalisierte Werbung – im Fall von WhatsApp auf den verknüpften Plattformen Facebook und Instagram. Auf WhatsApp selbst wird bisher keine Werbung geschaltet.

Informationen über das neue Datenschutzgesetz

Im europäischen Raum ist das neue Datenschutzgesetz (Datenschutzgrundverordnung oder DSGVO) mit umfassenden Änderungen im Mai 2018 in Kraft getreten. Auch WhatsApp ist davon betroffen. Denn von allen Userinnen und Usern, die WhatsApp nutzen, werden Daten erhoben und abgespeichert. Diese Daten können für Marketingzwecke des Messaging-Dienstes gebraucht oder auch weiterverkauft werden. Somit fällt der Gebrauch der App unter die DSVGO. Damit das Unternehmen Facebook, dem auch WhatsApp und Instagram gehören, mit der neuen Rechtslage konform ist, wurde das Mindestalter in den Nutzungsbedingungen angepasst. In erster Linie geht es dem Konzern darum, sich vor drohenden Klagen und Bussen zu schützen. Mit der Erhöhung des Mindestalters auf 16 Jahre kann WhatsApp beziehungsweise Facebook die Haftung von sich weisen, wenn Jugendliche unter 16 ihre Dienste nutzen. Die Schweiz wird geografisch zu Europa gezählt und ist daher von den Änderungen ebenfalls betroffen.

Bewusstsein bilden für den Datenschutz

Wer WhatsApp auf einem Gerät gebrauchen will, muss die Nutzungsbedingungen akzeptieren. Laufend werden nun alle auf dem Smartphone gespeicherten Kontaktdaten sowie die Daten über die Nutzung (Zeitpunkt, Dauer etc.) heruntergezogen und zur Auswertung an Facebook übermittelt. Nutzerinnen und Nutzer sind sich zu wenig bewusst, dass nicht nur die eigenen Daten, sondern auch Angaben aller gespeicherten Kontakte übermittelt werden. Gemäss Nutzungsbedingungen müsste vor dem Installieren der App das Einverständnis aller gespeicherten Kontaktpersonen eingeholt werden. Genau hier liegt der Haken: Da dies kaum möglich ist, verstösst im Prinzip jede Nutzerin und jeder Nutzer gegen die Bedingungen von WhatsApp.

Heikel ist auch, wenn Kinder in eine WhatsApp-Gruppe eingeladen werden. Wird man einem Gruppenchat hinzugefügt, haben alle Userinnen und User dieser Gruppe Zugriff auf die Telefonnummer und teilweise auch auf das Foto und den Namen des Kindes. Je nachdem können dies auch Personen sein, die das Kind nicht kennt. Bei WhatsApp kann eine Gruppen-Mitgliedschaft nicht abgelehnt werden, man muss nach dem «Hinzugefügtwerden» wieder austreten. Persönliche Daten können auf diese Weise schnell und ungewollt in falsche Hände geraten.

Nutzung ist nicht illegal

Die Änderung der Altersbeschränkung von 13 auf 16 Jahre ist für WhatsApp beziehungsweise die Mutterfirma Facebook in erster Linie eine Haftungsfrage. Dem Konzern scheint es um die eigenen Interessen und nicht um den Schutz der Jugendlichen zu gehen. Rechtliche Konsequenzen hat die Nutzung von WhatsApp für unter 16-Jährige keine. Im Schweizer Gesetz stellt das Schummeln bei der Altersangabe keinen Tatbestand dar, der unter Strafe steht. Gibt man ein falsches Alter an, verletzt man lediglich die Nutzungsbedingungen von WhatsApp. Bei einer allfälligen Prüfung könnte WhatsApp als Massnahme für das Unterschreiten des Mindestalters die Nutzung der App einschränken oder blockieren. Das Mindestalter 16 ist auch keine Altersempfehlung. Denn Altersempfehlungen, wie wir sie von Filmen und Computerspielen kennen, basieren auf Kriterien, die den Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. Bei den Nutzungsbedingungen von WhatsApp fehlen solche definierten Kriterien komplett, und sie sind auch nicht für alle Länder gleich. Nutzungsbedingungen sind daher keine Altersempfehlungen.

Entscheidung liegt bei den Eltern

Wenn Eltern ihrem Kind WhatsApp erlauben, sollten sie das Mindestalter bei diesem oder anderen Messaging-Diensten berücksichtigen. Über WhatsApp verbreiten sich schnell Inhalte, die für ein Kind ungeeignet oder nicht altersgerecht sind. Einige Dienste wie Instagram oder Facebook stimmen die Werbeinhalte auf das Alter der Nutzerinnen und Nutzer ab. Ist aber der Unterschied zum wirklichen Alter des Kindes zu gross, riskieren Eltern, dass ihre Kinder mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden. Als Alternative könnte man einen Messaging-Dienst suchen, der mehr Wert auf den Datenschutz legt, wie beispielsweise «Signal», «Wire» oder «Threema».

Bei der Wahl einer App sind auch die eigenen familiären Werte entscheidend sowie die Werte, die im Umfeld des Kindes zählen. Schlussendlich entscheiden die Eltern, ob ihr Kind reif genug ist, um WhatsApp oder andere Apps zu nutzen.

Tipps für Eltern

  • Seien Sie offen für Fragen Ihres Kindes zu digitalen Medien. Zeigen Sie, dass Sie es schätzen, wenn Ihr Kind auch mit heiklen Fragen zu Ihnen kommt. Eine positive Beziehung macht es Ihrem Kind leichter, heikle Thema anzusprechen, als wenn es moralisierende Diskussionen oder Verbote befürchten muss.
  • Diskutieren statt Verbieten. Lernen Sie WhatsApp kennen und definieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln zur Nutzung von Messaging-Diensten.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Nutzung von Smartphone und Online-Diensten und erklären Sie, worüber sich Eltern Sorgen machen.
  • Prüfen Sie Alternativen. Oft wird ein Messaging-Dienst vom ganzen Umfeld des Kindes genutzt. Dann ist es nicht sinnvoll, wenn einzig Ihr Kind den Messenger wechselt. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus. Vielleicht bietet ein Elternabend Gelegenheit, gemeinsam eine Alternative für WhatsApp festzulegen.
Daniel Betschart

Daniel Betschart

Daniel Betschart ist bei Pro Juventute für den Themenbereich Medienkompetenz zuständig. Er koordiniert Projekte und Programme für Kinder, Jugendliche und Eltern rund ums Thema digitale Medien. Er war lange in der offenen Jugendarbeit tätig und ist Vater von 2 Buben.

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